Der Seniorenrat der Stadt Ludwigshafen mahnt zu mehr gegenseitigem Respekt zwischen Jung und Alt. Anlass ist die Debatte über politische Versäumnisse, hohe Mieten, steigende Lebenshaltungskosten, Probleme im Bildungssystem und fehlende Zukunftsperspektiven. Junge Menschen hätten jedes Recht, Veränderungen einzufordern, heißt es in der Stellungnahme. Daraus dürfe jedoch kein pauschaler Konflikt zwischen den Generationen entstehen.
Der Seniorenrat wendet sich insbesondere gegen Darstellungen älterer Menschen als grundsätzlich rückständig, selbstbezogen oder als Hindernis für Fortschritt. Die heutige ältere Generation habe das Land über Jahrzehnte mit aufgebaut, gearbeitet, Familien gegründet, Kinder großgezogen und Angehörige gepflegt. Zudem habe sie mit Steuern und Sozialabgaben zur Entwicklung des Gemeinwesens beigetragen.
Senioren engagieren sich weiterhin
Nach Einschätzung des Ludwigshafener Seniorenrats leisten viele Seniorinnen und Senioren auch heute einen wichtigen Beitrag. Sie engagierten sich ehrenamtlich, unterstützten Familien, halfen in Vereinen und stünden anderen Menschen zur Seite. Auch in Ludwigshafen sei dieser Einsatz für die Gesellschaft unverzichtbar.
Gleichzeitig müssten die Sorgen der jüngeren Generation ernst genommen werden. Bezahlbarer Wohnraum, gute Bildung und sichere Zukunftsperspektiven gehörten zu den wichtigen Aufgaben der Politik. Politische Versäumnisse sollten dort kritisiert werden, wo sie entstünden – nicht wegen des Alters der Menschen, betont der Seniorenrat.
Armut und Einsamkeit betreffen auch ältere Menschen
Die Stellungnahme verweist außerdem darauf, dass es auch unter Seniorinnen und Senioren Armut, Einsamkeit und finanzielle Sorgen gibt. Die Vorstellung, älteren Menschen gehe es grundsätzlich gut, während junge Menschen grundsätzlich schlecht dastünden, werde der Lebenswirklichkeit beider Generationen nicht gerecht.
Der Seniorenrat beschreibt Jung und Alt deshalb nicht als Gegner, sondern als Generationen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Erfahrungen und Stärken. Jüngere könnten neue Ideen und Veränderungswillen einbringen, ältere Menschen wertvolle Lebenserfahrung. Der Rat appelliert an Politik, Medien und Gesellschaft, die Generationen nicht gegeneinander auszuspielen. Eine solche Auseinandersetzung löse weder die Wohnungs- und Bildungsprobleme noch schaffe sie eine sichere Altersversorgung.
Beide Seiten hätten Anspruch auf Anerkennung: Junge Menschen auf gute Zukunftsperspektiven, ältere Menschen auf Respekt für ihre Lebensleistung. Entscheidend sei, miteinander im Gespräch zu bleiben und gemeinsam an einer Gesellschaft zu arbeiten, in der alle Generationen ihren Platz haben.