In Rheingönheim wollen junge Menschen ihre Kerwe neu beleben. Der Verein „Rheingönheimer Schorletreff“ hat sich gegründet, um im Ludwigshafener Stadtteil einen Treffpunkt zu schaffen und die Kerwe künftig aktiv mitzugestalten. Beim Ausschank an der Holzhütte packten die Mitglieder bereits gemeinsam mit an.
Vorsitzender Sebastian Müller ist 23 Jahre alt und hat den Verein in seinem Heimatort gegründet. Rund 30 Jugendliche zwischen 19 und 25 Jahren sind dem Schorletreff nach Angaben des SWR bereits beigetreten. Sie alle sind gemeinsam in Rheingönheim aufgewachsen und wollen sich nun ehrenamtlich in das Ortsleben einbringen.
„Wir wollen wieder einen richtigen Begegnungspunkt schaffen“
Mit diesem Ziel beschreibt Müller die Idee hinter dem Verein. Auch der zweite Beisitzende Piet Wieja betont, dass die Gruppe eine gemeinsame Geschichte verbindet.
„Wir kennen uns seit unserer Kindheit und waren uns schnell einig, dass hier wieder was her muss“
Junge Mitglieder reagieren auf Nachwuchsmangel
Die Vereinsgründung fällt in eine Zeit, in der ehrenamtliches Engagement in Ludwigshafen nach Einschätzung von Fachleuten vor allem bei jüngeren Menschen fehlt. Nach Angaben des Amtsgerichts gibt es in der Stadt 1064 aktive Vereine. Neugründungen seien allerdings eher selten, sagt Jürgen Hundemer vom Verein Förderung des Ehrenamts e.V. in Ludwigshafen. Engagiert seien vor allem Menschen im Vorruhestand und im Rentenalter.
Auch bei der Rheingönheimer Kerwe ist dieser Wandel spürbar. Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (CDU) sagt, viele alteingesessene Vereine, die früher geholfen hätten, existierten inzwischen nicht mehr. Dass junge Menschen nun Verantwortung übernähmen und einen eigenen Verein gegründet hätten, sei deshalb ein großer Gewinn.
Kerwe hat an Attraktivität verloren
Die Kerwe habe in den vergangenen Jahren an Attraktivität eingebüßt. Einen Kerweumzug gibt es in Rheingönheim inzwischen nicht mehr. Neben organisatorischen Herausforderungen spielten dabei laut Wißmann auch verkehrstechnische Probleme eine Rolle. Der neue Verein will trotzdem dazu beitragen, dass die Veranstaltung wieder mehr Menschen aus dem Stadtteil zusammenbringt.
Am Namen „Schorletreff“ gibt es jedoch Kritik. Hundemer sieht insbesondere den Alkoholkonsum problematisch und hält die Bezeichnung für unglücklich. Die Vereinsmitglieder weisen diese Kritik zurück. Für sie steht nicht allein das Getränk im Mittelpunkt, sondern das kulturelle und gesellschaftliche Miteinander.
„Das Beste, mit dem man alle Leute zusammenbringt, ist die Pfälzer Schorle“
So erklärt Wieja den Vereinsnamen. Auch das Logo greift die Verbindung zum Stadtteil auf: Es kombiniert das Rheingönheimer Wappen mit einem Dubbeglas.
Pläne für weitere Veranstaltungen
Der Einsatz auf der Rheingönheimer Kerwe war für den Verein nach Einschätzung seines Vorsitzenden ein voller Erfolg. Die jungen Mitglieder wollen sich auch künftig im Ortsleben engagieren. Müller kann sich vorstellen, mit dem Verein an einem Faschingsumzug in der Region teilzunehmen.
Wieja hat unterdessen ein konkretes Ziel für die nächste Kerwe: Er möchte wieder Musik auf die Veranstaltung bringen und das Programm für Besucherinnen und Besucher attraktiver machen. Ob der Verein damit dauerhaft neue Impulse für die Rheingönheimer Kerwe setzen kann, soll sich bei den kommenden Veranstaltungen zeigen.