Der Rhein bei Ludwigshafen erreicht einen historischen Tiefstand: Der Pegel liegt laut dem vorliegenden Bericht bei nur 67 Zentimetern. Das Rekord-Niedrigwasser setzt die Binnenschifffahrt, die Logistik und die Industrie unter Druck. In Bonn beraten deshalb Verkehrsminister, Hafenbetreiber und Unternehmen über Maßnahmen, mit denen der Güterverkehr auch bei künftig häufiger erwarteten Niedrigwasserlagen funktionieren soll.
Im Mittelpunkt steht eine beschleunigte Rheinvertiefung, offiziell als „Abladeoptimierung“ bezeichnet. Dadurch könnten Schiffe bei niedrigem Wasserstand mehr Container laden, weil ihnen mehr Tiefgang zur Verfügung stünde. Derzeit fahren die Schiffe wegen der geringen Pegelstände nach Angaben des Berichts nur mit einem Bruchteil ihrer üblichen Ladung.
Rheinvertiefung und Schiene als Ausweichoption
Das Spitzentreffen in Bonn sucht seit dem Vortag gemeinsam mit Hafenbetreibern wie dem Logistikunternehmen Contargo nach Lösungen für künftige Niedrigwasserkrisen. Parallel tagte eine Sonder-Verkehrsministerkonferenz. Das vorläufige Ergebnis: Die Wasserstraßen sollen durch eine schnellere Abladeoptimierung gestärkt werden. Rheinland-Pfalz bekräftigte dabei seine Forderung nach einer beschleunigten Abladeoptimierung am Mittelrhein.
Auch die Schiene soll eine größere Rolle übernehmen. Nach den Aktionsplänen Niedrigwasser und dem Masterplan Binnenschifffahrt soll der Containerverkehr künftig stärker auf die Bahn ausweichen. Beide Masterpläne sollen weiterentwickelt werden. Die Verkehrsminister beraten außerdem über steigende Trassenpreise im Schienenpersonennahverkehr.
Die Länder fordern vom Bund, die durch höhere Trassenpreise entstehenden Mehrkosten kurzfristig vollständig zu kompensieren. Höhere Kosten dürften nicht dazu führen, dass Linien ausgedünnt oder Investitionen verschoben werden. Noch in diesem Jahr soll gemeinsam mit den Ländern und der Eisenbahnbranche eine grundlegende Reform des Trassenpreissystems auf den Weg gebracht werden. Ziel ist eine dauerhaft verlässliche Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs und der Verzicht auf Angebotskürzungen.
Niedrigwasser belastet Versorgung und Industrie
Die aktuelle Lage ist Folge einer anhaltenden Dürre im Quellgebiet des Rheins und in Süddeutschland. Seit Wochen sinken Fluss- und Grundwasserpegel, weil längere Regenschauer ausbleiben und Hitzewellen aufeinanderfolgen. Fachleute, darunter die Bundesanstalt für Gewässerkunde, erwarten laut Bericht, dass Niedrigwasserereignisse intensiver werden. Als Gründe werden eine stärkere Verdunstung und häufiger ausbleibende Niederschläge genannt.
Für Ludwigshafen ist die Entwicklung besonders relevant, weil der Rhein für Versorgung, Industrie und Logistik eine wichtige Verkehrsachse ist. Das anhaltende Niedrigwasser zeigt nach Einschätzung des Berichts, wie wichtig leistungsfähige und klimaresiliente Bundeswasserstraßen für die Versorgungssicherheit sind. Unternehmen wie BASF mussten demnach bereits ihre Produktion drosseln, weil Lieferketten zusammenbrachen.
Bundesverkehrsminister Achim Schwickert erklärte: „Die aktuelle Lage macht deutlich, dass wir unsere Verkehrsinfrastruktur insgesamt widerstandsfähiger aufstellen müssen. Der Bund muss jetzt konsequent handeln – bei den Wasserstraßen ebenso wie bei der Schiene. Beides ist entscheidend für einen starken Wirtschaftsstandort und eine verlässliche Mobilität“.
Schwickert betonte außerdem: „Wir werden Niedrigwasserlagen auch künftig immer wieder erleben. Deshalb dürfen wir bei der Modernisierung unserer Wasserstraßen keine Zeit mehr verlieren. Eine leistungsfähige Binnenschifffahrt entlastet Straße und Schiene, stärkt die Versorgungssicherheit und macht unser gesamtes Verkehrssystem robuster“.
Warum Grundwasser und Rheinpegel zusammenhängen
Im Bericht wird der Zusammenhang zwischen Grundwasser und Flusspegeln erläutert. Flüsse werden vielerorts kontinuierlich durch Grundwasser gespeist. Sinkt das Grundwasser, fallen in Trockenzeiten häufig auch die Flusspegel. In trockenen Regionen oder bei durchlässigem Boden kann umgekehrt Wasser aus dem Fluss ins Grundwasser versickern.
Nach einer Schätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften hat Deutschland seit dem Jahr 2000 jährlich rund 0,76 Kubikkilometer Grundwasser verloren. Der Druck auf die Pegelstände in Böden und Flüssen dürfte durch stärkere Hitzewellen und höhere Wasserentnahmen, etwa in der Landwirtschaft, weiter zunehmen.
Als mögliche Gegenmaßnahmen werden weniger Wasserabfluss über die Kanalisation, die Entsiegelung städtischer Flächen und die Renaturierung von Schwemmland genannt. Für die Rheinschifffahrt sollen zudem Förderprogramme auf nationaler oder europäischer Ebene entwickelt werden, um niedrigwassergeeignete Binnenschiffe zu unterstützen. Die Schifffahrt muss nach dem vorläufigen Beratungsergebnis flexibler auf wiederkehrende Niedrigwasserlagen reagieren können.