Manchmal ist es gerade der Streit, der einen Weg zum Frieden eröffnet. Susanne Schramm, Pfarrerin der Citykirche „Am Lutherplatz“ in Ludwigshafen, beschreibt in einem Beitrag ihren persönlichen Umgang mit Konflikten und fragt, wie viel „Rauflust“ in ihr steckt.
Ausgangspunkt ist ein Zettel in ihrem Geldbeutel. Darauf steht die Frage: „Neige ich zur Rauflust?“ Schramm nahm ihn bei einer Ausstellung mit. Die Frage habe sie beschäftigt, weil sie glaube, dass mehr Rauflust in ihr stecke, als sie gewöhnlich zeige. Oft sei sie zu beherrscht. Als möglichen Grund nennt sie auch die Erwartungen, mit denen Frauen ihrer Generation aufgewachsen seien: lieb, nett, versöhnlich und ausgleichend zu sein.
Gleichzeitig beschreibt die Pfarrerin, dass es in ihr durchaus anders aussehe. Sie wolle lernen, dieser Seite mehr Raum zu geben – auch einmal laut zu werden oder auf den Tisch zu hauen. Ihr Beitrag ist dabei kein Aufruf zu blindem Streit. Vielmehr geht es ihr um die Frage, wie Konflikte ausgetragen werden können, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
Frieden ist mehr als bloße Harmonie
Schramm bezieht sich auf einen Satz aus der Bergpredigt: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Entscheidend ist für sie die Bedeutung des griechischen Wortes „eirenopoios“. Es stehe wörtlich für einen Friedensschaffer – also für jemanden, der Frieden aktiv herstellt, statt lediglich friedfertig zu sein oder Spannungen auszuhalten.
Damit verbindet die Ludwigshafener Pfarrerin eine klare Abgrenzung: Friedfertigkeit dürfe nicht mit Konfliktscheu verwechselt werden. Wer nur die Harmonie bewahren wolle, könne den Mund halten, obwohl etwas Ungutes benannt werden müsse. Frieden um jeden Preis sei deshalb nicht automatisch die beste Lösung.
Als biblisches Beispiel nennt Schramm Jesus, der nicht immer leise gewesen sei. Bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel habe er Tische umgeworfen und Missstände direkt angesprochen. Für Schramm zeigt diese Geschichte, dass Friedensstiftung auch Kraft, Klarheit und Mut verlangen kann.
Mut trotz Angst
Besonders wichtig ist für die Pfarrerin der Begriff „Mutaufbringen“. Darin liege bereits die Erkenntnis, dass Angst vorhanden sei. Mut bedeute nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz dieser Angst zu handeln.
Für ihren eigenen Umgang mit Konflikten zieht Schramm daraus eine praktische Konsequenz: Sie wolle Auseinandersetzungen immer weniger vermeiden. Zugleich solle es nicht darum gehen, Brücken abzubrechen. Ihr Ziel sei, dass am Ende Annäherung möglich werde und Dinge geklärt seien. Die zentrale Botschaft ihres Beitrags lautet daher: Konflikte können notwendig sein, wenn sie ehrlich, mutig und mit dem Willen zur Verständigung geführt werden.
Susanne Schramm ist Pfarrerin der Citykirche „Am Lutherplatz“ in Ludwigshafen.