Ludwigshafen hat mehr Aufenthaltsqualität, Geschichte und öffentliche Kunst zu bieten, als das verbreitete Stadtbild vermuten lässt. Bei einer jährlichen Führung zeigt der Stadtplaner und Bildhauer Helmut Buchholz besondere Orte zwischen Europaplatz, Hemshof, Friedenspark, Pfalzbau, Rheinufer und Ludwigsplatz.

Die Tour „Perlen der Innenstadt“ beginnt am Europaplatz. Dort steht mit dem Repräsentationsbau der Sozialverwaltung eines der größten historischen Gebäude der Stadt. Buchholz lenkt den Blick auf Details, die Radfahrenden und Fußgängern beim Durchqueren häufig verborgen bleiben. Für den Stadtplaner ist der Platz ein Ort mit eigener Qualität: Im Sommer sorge die luftige Lage dafür, dass man sich dort gut aufhalten könne.

Vom Europaplatz zum Welserplatz

Nur rund 100 Meter entfernt liegt der Welserplatz. Die planvoll angelegte Grünanlage schafft nach Buchholz gute Bedingungen für das griechische Restaurant an der Außenseite des Platzes. Das Lokal kam an diesen Standort, nachdem das Bali-Restaurant von der Stadt Mannheim abgeworben worden war.

Der kleine Platz ist vielen Menschen dennoch unbekannt. Platanen spenden Schatten, Sitzmöglichkeiten laden zum Ausruhen ein. Buchholz sieht deshalb Potenzial darin, den Welserplatz bekannter zu machen. Auch die direkte Fußgängerverbindung von dort zum Friedenspark werde bisher nur von wenigen wahrgenommen.

Der Friedenspark soll mit den Zukunftsquartieren vergrößert werden und künftig als verbindendes Element zwischen neuen Teilen der Innenstadt, West und Friesenheim dienen. Der Park bietet bereits heute Halfpipe, Kinderbereich und Wege. Seine zahlreichen Bäume spenden im Sommer Schatten. Eine Bewässerung ist laut Buchholz bisher allerdings zu aufwendig und zu teuer.

Geschichte, Kultur und gemeinschaftliche Projekte

Am Eingang des Friedensparks erinnert ein Stück Berliner Mauer an die deutsche Wiedervereinigung. In der Mitte des Eingangsplatzes steht eine Brunnenanlage, deren Gestaltung die Stadtteile Ludwigshafens aufgreift. Jungmeister und Gesellen des Bildhauerhandwerks stellten sie 1985 fertig. Buchholz war selbst daran beteiligt, bevor er sein Studium begann; zuvor hatte er eine Ausbildung zum Bildhauer abgeschlossen.

Die einzelnen Blöcke erzählen von der Stadtgeschichte. Der größte zeigt unter anderem die Gründung der BASF und die Zeit der Rheinschanze. Weitere Motive erinnern an die Rheinbegradigung durch Tulla im Bereich Oppau und Edigheim sowie an die Gartenstadtidee. Diese sollte Arbeiterinnen und Arbeitern gesunde Wohnverhältnisse bieten, nachdem viele Menschen in Slums, Hinterhöfen, Kasernen oder ohne Unterkunft gelebt hatten.

Am Kulturzentrum dasHaus fällt ein Beton-Harlekin ins Auge. Ein Bodenmural wertet den Platz mit urbaner Street Art auf, auch wenn es verblasst ist. Das Gebäude wurde 1967 fertiggestellt, war in den 1970er-Jahren ein Folklore-Zentrum und in den 1980er-Jahren ein Treffpunkt der Punkrock-Szene. Heute wird es laut Buchholz vor allem im Abendprogramm genutzt; das frühere Tagesprogramm sei durch Personalentscheidungen weggefallen.

Auf dem Ernst-Klüber-Platz sind in den kommenden Jahren Rasengitter vorgesehen, damit Regenwasser versickern kann. Vollständig entsiegelte Flächen sollen Platz für neue Bäume schaffen. Direkt daneben liegt der Hackgarten, ein Gemeinschaftsprojekt, das seit den 2000er-Jahren von Aktiven weitergeführt wird. Die Stadt stellte zu Beginn Paletten und Erde zur Verfügung. Heute ist der Garten etabliert und kann auch für Veranstaltungen genutzt werden.

Kunst, Rheinufer und Ludwigshafens Plätze

Zu den Stationen der Führung gehört außerdem der „echte Miró“ am Hackmuseum. Jede Kachel wurde in den 1970er-Jahren eigens von dem international bekannten Künstler Joan Miró glasiert und gebrannt. Gegenüber lädt der Pfalzbau regelmäßig europäische Ensembles ein; dort finden ausverkaufte Theater- und Tanzveranstaltungen statt.

Am Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz zeigt sich für Buchholz, wie unterschiedliche Angebote nebeneinander funktionieren können. Restaurants, ein Toto-Lotto-Kiosk, Dönerbuden und ein Barbier liegen dort in direkter Nachbarschaft. Auch der Platanenhain zählt für ihn zu den Wahrzeichen der Stadt. Er blieb erhalten, nachdem Pläne für ein Parkhaus auf dem Areal auf Widerstand gestoßen waren. Stattdessen wurde eine Tiefgarage vereinbart. Die Platanen sollten zunächst umgesetzt und später wieder auf der Garage gepflanzt werden. Buchholz bezweifelte, dass die Bäume dies überlebt hätten.

Nach dem Ende der Insolvenz ist die Zukunft der Bäume laut dem Beitrag gesichert. Der neue Investor wolle den Platanenhain nicht für eigene Zwecke nutzen. Wenn die Bauzäune abgebaut sind, könnte auch das frühere Boule-Gelände mit seinen Blumenbeeten wieder zu einem der schönsten Orte der Innenstadt werden.

Besonders großes Potenzial sieht Buchholz am Rheinufer. Die Promenade erstreckt sich über sechs bis sieben Kilometer durch das Stadtgebiet. Kunstwerke und ein historischer Kran säumen den Weg; der Kran kann auch als Besprechungsraum genutzt werden. Für die Zukunft hofft die Stadt auf Ausflugsschiffe, die dort ähnlich wie in Mannheim anlegen könnten. Die großen Treppen am Rheinmarktgelände sind bereits ein beliebter Treffpunkt. In diesem Jahr hat dort erneut eine Beachbar geöffnet, die bisher sehr gut besucht ist.

Die Tour endet auf dem Ludwigsplatz. Dort steht das denkmalgeschützte Casa di Laul, das vom Bahnhofsvorplatz versetzt wurde. Zusammen mit dem Plastikenweg und den Bäumen, von denen einer noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, gehört der Platz für Buchholz zu den schönsten Orten im Stadtgebiet.