Mehr Aufenthaltsqualität, weniger Durchgangsverkehr und neue Verbindungen: Bei einer Führung durch die Ludwigshafener Innenstadt hat Stadtplaner Helmut Buchholz Ideen für Plätze vorgestellt, die künftig stärker zu Treffpunkten werden könnten. Im Fokus standen unter anderem der Schützenplatz, der Danziger Platz, der Hans-Klüber-Platz und ein bislang namenloser Platz am Rheinufer.
Ausgangspunkt der Tour war die Frage, warum öffentliche Plätze häufig nur als Durchgangsorte funktionieren, während sie in italienischen Städten als selbstverständliche Treffpunkte dienen. Buchholz erläuterte, wie eine bessere Gestaltung, mehr Begrünung und weniger Verkehr die Aufenthaltsqualität in Ludwigshafen verbessern könnten. Konkrete Umsetzungsbeschlüsse für alle vorgestellten Ideen liegen allerdings nicht vor.
Schützenplatz: Eine autofreie Lösung bleibt bislang eine Idee
Am Schützenplatz wurde insbesondere über eine mögliche Sperrung für den Autoverkehr gesprochen. Der Platz ist zwar von Bebauung eingefasst, wird laut Buchholz aber durch sechs Straßeneinmündungen stark vom Durchfahren geprägt. Eine frühere Sperrung während einer Baustelle habe nach seiner Darstellung kein Verkehrschaos ausgelöst.
Eine autofreie Gestaltung könnte den Platz stärker den Anwohnerinnen und Anwohnern im Stadtteil Süd zurückgeben. Buchholz sieht darin auch eine mögliche Verbindung zwischen unterschiedlichen Teilen des Viertels: Zwischen dem Bereich in Richtung Schützenstraße und dem Villenviertel rund um die Lisztstraße könnte ein gemeinsamer Aufenthaltsort entstehen. In den Gremien sei die Idee bereits diskutiert worden, konkrete Pläne gebe es bisher jedoch nicht.
Auch der Zustand des Grüns war Thema. An einer Ecke steht ein Kastanienbaum, den die Verwaltung wegen einer möglichen Verkehrsgefährdung voraussichtlich fällen muss; ein weiterer Baum wurde bereits entfernt. Buchholz plädierte deshalb grundsätzlich für mehr Entsiegelung, damit Regenwasser besser aufgenommen werden kann und Bäume in Trockenphasen bessere Bedingungen erhalten.
Am Wittelsbachplatz regte der Stadtplaner ebenfalls eine stärkere Nutzung als Ruheort an. Ein Café oder zusätzliche Sitzbänke könnten den Platz beleben. Frühere Sitzmöglichkeiten seien wegen sichtbarer Verschleißspuren entfernt worden.
Rheintor-Quartiere sollen neue Wege durch die Stadt schaffen
Besonders deutlich könnten sich Rathausplatz und Danziger Platz durch die geplanten Zukunftsquartiere entlang der Kohl-Allee verändern. Wie der Rathausplatz künftig genau gestaltet wird und in welcher Reihenfolge die Bauarbeiten ablaufen, ist laut Buchholz noch offen. Fest vorgesehen ist jedoch eine direkte Verbindung in Richtung Hemshof. Dafür könnte das sogenannte Lichttor versetzt werden.
Insgesamt sind mehrere neue Querungen zwischen Innenstadt, Hemshof und Friedenspark vorgesehen. Neben einer Verbindung am Rathausplatz werden Übergänge am Europa- und Danziger Platz sowie an der Heinigstraße genannt. Zusätzlich sollen zwei Unterführungen unter den Rampen der neuen Stadtstraße, unter der Westbrücke und in Richtung Schumacher-Brücke entstehen.
Die Vorbereitungen für den Bau der Kohl-Allee laufen bereits. Die künftige Straße soll rund vier Meter höher liegen als das derzeitige Geländeniveau. Die Heinigstraße soll direkt in die Kohl-Allee münden. Die Sumgaitallee soll als Verbindung zum Hemshof entfallen. Vom Danziger Platz ist außerdem eine direkte Querung der Kohl-Allee in Richtung Ludwigshafen-Nord geplant. Zur aktuellen Planung gehört auch ein Hochhaus an einer Ecke des Platzes.
Für den Danziger Platz wird eine Kombination aus neuer Bebauung und mehr Grün beschrieben. Eine geplante Mischung aus einem modernen Hochhaus an der Ecke Heinigstraße/Kohl-Allee und Gebäuden mit Gründerzeitfassaden an der Radstraße könnte dem Platz eine klarere räumliche Fassung geben. Derzeit öffnet sich der Blick von dort stark auf das Beton- und Hochstraßengewirr. Der Brunnen auf dem Platz ist seit den 1990er-Jahren außer Betrieb und verfällt zunehmend; ob er im Zuge der Rheintor-Quartiere erhalten bleibt, ist im Beitrag offen gelassen.
Mehr Grün für Hans-Klüber-Platz und Jakobsplatz
Auch der Hans-Klüber-Platz soll in den kommenden Jahren umgestaltet werden. Der Platz liegt heute deutlich tiefer als die umliegenden Straßen. Nach früherer Nutzung als innerstädtischer Parkplatz wurde das Geländeniveau um etwa vier Meter abgesenkt. Als möglicher Grund wird eine Schadstoffsanierung genannt, weil sich dort früher ein Chemieproduzent befand.
Der Platz wurde mit Betonpflaster und Treppen angelegt. In den 1980er-Jahren gab es dort zeitweise einen gut besuchten Flohmarkt. Später entstand der sogenannte Hackgarten. Pflanzen haben inzwischen das Pflaster durchwurzelt. Untersuchungen ergaben laut Beitrag, dass die Annahme von verbliebenen Schadstoffen unter dem Pflaster nicht zutraf. Deshalb sollen Flächen entsiegelt, Bäume gepflanzt und Rasengitter verlegt werden. Der Hackgarten war allerdings auch von Selbstbedienung, Gelagen und Vandalismus betroffen; der Zugang ist inzwischen mit einem Zahlenschloss gesichert.
Der Ernst-Bloch-Platz wird derzeit vor allem von Passanten und Radfahrenden auf dem Weg zwischen Süd und Innenstadt genutzt. Café und Imbisse beleben den Ort, zugleich beeinträchtigen eine Baustelle, Müllablagerungen und schnell fahrende Radler die Aufenthaltsqualität. Der Jakobsplatz wird im Rahmen des ISEK ebenfalls entsiegelt und begrünt.
Am Rheinufer sieht Buchholz Potenzial für eine weitere Piazza. Ein namenloser Platz am Ende der Bismarckstraße verbindet historische Relikte des Containerhafens, darunter einen Kran und Schienen, mit dem Flussufer und der Pegeluhr. Unvollständig genutzte Parkflächen könnten mit dem Platz zusammengeführt werden. Sitzbänke sind bereits vorhanden.
Die Führung endete am Ludwigsplatz, der als „gute Stube der Stadt“ gilt. Der repräsentative Platz wird von Verkehrsflächen eingefasst und könnte nach Einschätzung des Stadtplaners mit weniger Fahrbahnen und mehr Grün stärker als Treffpunkt funktionieren. In den Sommermonaten wird er bereits für Feste und Festivals genutzt; auch Gastronomie und ein Café tragen zur Belebung bei.