Am Bauzaun rund um das ehemalige Rathaus-Center in Ludwigshafen ist eine farbenfrohe Freiluftgalerie entstanden. Eltern und Kinder gestalteten dort gemeinsam großformatige Tiermotive mit buntem Klebeband. Menschen über 50 arbeiteten parallel mit Spraydosen und entwickelten eigene Graffiti. Die beiden Workshops verbanden damit künstlerische Gestaltung mit Begegnung zwischen Generationen.

Organisiert wurde die Aktion im Auftrag der LUKOM von der Agentur QUAER. Das Konzept knüpfte an eine Kunstaktion aus dem Vorjahr an und wurde diesmal um zwei Angebote für unterschiedliche Zielgruppen erweitert. Nach Angaben des veröffentlichten Beitrags waren beide Workshops bereits wenige Tage nach ihrer Ankündigung vollständig ausgebucht.

Förderprogramm soll Innenstädte beleben

Hinter der Aktion steht das Modellprojekt und Förderprogramm „Innenstadt-Impulse“ des Landes Rheinland-Pfalz. Das Programm soll Städte und Gemeinden dabei unterstützen, ihre Innenstädte nach den strukturellen Veränderungen der vergangenen Jahre neu zu beleben. Ludwigshafen gehört laut dem Beitrag zu den Kommunen, die bereits mehrfach Mittel aus diesem Fördertopf erhalten beziehungsweise eingeworben haben.

Die Fördermittel fließen in konkrete, projektspezifische Maßnahmen. Sie sollen das Stadtbild aufwerten und den Aufenthalt im öffentlichen Raum angenehmer machen. Als Beispiele aus Ludwigshafen nennt der Beitrag neue Bepflanzungen, moderne Stadtmöbel und sichtbare Urban-Art-Gestaltungen.

Dazu zählen der neu gestaltete Eingang zum Bürgerhof von der Ludwigstraße aus, ein farbenfrohes Trafo-Häuschen in der Ludwigstraße sowie die Brückenauffahrt an der Henry-Roos-Passage. Der Bauzaun am ehemaligen Rathaus-Center fügt sich damit in eine Reihe von Maßnahmen ein, bei denen Gestaltung im öffentlichen Raum eine Rolle spielt.

Eltern-Kind-Zeit mit Tape Art

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Workshops lag auf einer gemeinsamen Eltern-Kind-Zeit. Viele Freizeitangebote richten sich entweder an Kinder oder an Erwachsene. Das Tape-Art-Format sollte dagegen ein gemeinsames kreatives Erlebnis ermöglichen und zugleich einen niedrigschwelligen Zugang zu Kunst schaffen.

Geleitet wurde der Workshop von Isabelle Possehl aus dem Künstler-Duo DUMBO AND GERALD. Die teilnehmenden Eltern-Kind-Paare arbeiteten mit farbigem Klebeband und entwickelten daraus großformatige Tiermotive und Wandbilder. Bevor es an die eigentlichen Flächen am Bauzaun ging, konnten sie an einer freien „Herzwand“ erste Erfahrungen sammeln. Dort probierten sie verschiedene Techniken aus und machten sich mit dem Material vertraut.

Anschließend übertrugen die Gruppen ihre Ideen auf die längeren Bauzaunflächen. Die Motive entstanden in intensiver gemeinsamer Arbeit. Possehl hob in ihrer Rückmeldung besonders die Konzentration, Ausdauer und Detailarbeit der Kinder hervor. Die fertigen „Tape Animals“ sollten den Passantinnen und Passanten an den zuvor eher tristen Bauzaun-Passagen einen freundlicheren Anblick bieten.

Graffiti-Angebot für Menschen über 50

Das zweite Angebot richtete sich gezielt an die Generation Ü50. Die Organisatoren reagierten damit auf ein Interesse, das sich nach Darstellung des Beitrags bereits bei früheren Urban-Art-Stadtführungen gezeigt hatte. Ältere Menschen interessierten sich demnach für die junge Kunstform, fühlten sich von offenen Kursen aber möglicherweise nicht immer unmittelbar angesprochen. Ein eigenes Format sollte diese Hemmschwelle verringern.

Die künstlerische Leitung übernahm Iskren Zahariev, der unter dem Namen SVLECH arbeitet. Er gestaltete bereits 2023 das prägnante Waschbär-Kunstwerk an einem Trafohäuschen in der Ludwigstraße. Der Workshop begann nicht direkt am Bauzaun, sondern in den nahe gelegenen Räumen des Kunstvereins Ludwigshafen.

Dort erhielten die Teilnehmenden zunächst eine theoretische Einführung. Auf dem Programm standen Skizzierung, Farblehre und Sprühtechnik. Erst danach ging die Gruppe gut vorbereitet an die Außenwand des Bauzauns, um die zuvor entwickelten Ideen praktisch umzusetzen.

Zwei Tage konzentrierte Arbeit

Beide Workshops dauerten jeweils zwei Tage. An jedem Tag arbeiteten die Gruppen sechs Stunden intensiv an ihren Projekten. Die Teilnehmenden waren laut Beitrag mit großer Konzentration, Freude und Wissbegierde dabei.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht ausschließlich die dauerhafte Verschönerung des Stadtbilds. Laura Todaro von der LUKOM beschrieb das Ziel der Aktion so: Bei den zweitägigen Workshops steht auch dieses Mal das gemeinsame Gestalten im Vordergrund. Ziel der Aktion ist aber nicht immer eine nachhaltige Verschönerung der Innenstadt – es geht um die Schaffung kreativer Impulse und ein lebendiges Miteinander im öffentlichen Raum.

Auch aus dem Kreis der Teilnehmenden kam der Wunsch nach eigener Beteiligung zum Ausdruck. Eine Rückmeldung fasste die Haltung mit den Worten Nicht meckern, sondern mitgestalten! zusammen. Gelobt wurden neben der fachlichen Betreuung vor allem das Gemeinschaftsgefühl, die angenehme Atmosphäre und die Möglichkeit, das eigene Umfeld selbst sichtbar zu verändern.

Fortsetzung einer Aktion aus dem Vorjahr

Die diesjährigen Workshops bauten auf einem Graffiti-Workshop aus dem vergangenen Jahr auf. Damals gestalteten Kinder und Jugendliche die triste Holzwand rund um das Areal des ehemaligen Rathaus-Centers. Geleitet wurde die Aktion von Philipp Himmel, einem Ludwigshafener Künstler und Sozialpädagogen.

Die Resonanz der Bevölkerung sowie der damaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer fiel laut Beitrag durchweg positiv aus. Deshalb wurde das Format nicht beendet, sondern weiterentwickelt. Statt eines einzelnen Angebots entstanden diesmal zwei Workshops, die Eltern und Kinder auf der einen sowie Menschen über 50 auf der anderen Seite ansprachen.

Kunstverein unterstützt die Umsetzung

Eine wichtige Rolle bei der praktischen Umsetzung spielte der Kunstverein Ludwigshafen. Er stellte Räume und Arbeitsmaterialien unkompliziert zur Verfügung. Besonders für die Ü50-Gruppe boten die Räumlichkeiten den passenden Ausgangspunkt für die Einführung in die Grundlagen des Graffitis.

Der Beitrag stellt die Zusammenarbeit als Beispiel für ein Ludwigshafener Netzwerk dar. Beteiligt waren demnach die Stadtverwaltung, städtische Tochtergesellschaften wie die LUKOM und die Bauprojektgesellschaft Ludwigshafen mbH, Kulturinstitutionen sowie Akteure der freien kreativen Szene. Die Zusammenarbeit werde als unbürokratisch, vertrauensvoll und auf Augenhöhe beschrieben.

Am Ende veränderte sich der Charakter des Ortes deutlich: Aus der Baustellenbegrenzung rund um das ehemalige Rathaus-Center wurde eine farbenfrohe Galerie unter freiem Himmel. Die Arbeiten machen den Bauzaun zu einem sichtbaren Ergebnis gemeinsamer Stadtgestaltung und geben dem zentralen Bereich in Ludwigshafen ein neues, von Bürgerinnen und Bürgern mitentwickeltes Gesicht.