Zum 100. Geburtstag von Dr. Werner Ludwig hat Ludwigshafen am Rhein an einen Oberbürgermeister erinnert, der die Entwicklung der Stadt über Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet hat. Oberbürgermeister Prof. Dr. Klaus Blettner besuchte am Donnerstag, 27. August 2026, das Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof und legte dort einen Ehrenkranz nieder.
Dr. Werner Ludwig wurde am 27. August 1926 in Pirmasens geboren und starb am 25. Februar 2020 im Alter von 93 Jahren. Die Gedenkveranstaltung der Stadt wurde mit einem Vortrag des Stadtarchivars Dr. Klaus-Jürgen Becker im Wilhelm-Hack-Museum fortgesetzt. Im Mittelpunkt standen Leben, politische Arbeit und die langfristige Wirkung des früheren Stadtoberhaupts.
Fast drei Jahrzehnte an der Spitze der Stadt
Ludwig war von Juli 1965 bis Juni 1993 Oberbürgermeister von Ludwigshafen. Bei seinem Eintritt in den Ruhestand war er der damals dienstälteste Oberbürgermeister einer deutschen Stadt. Bereits zuvor hatte er mehr als sieben Jahre lang Verantwortung in der Stadtverwaltung getragen: Von Februar 1958 bis Juni 1965 war er Sozial- und Wohnungsdezernent.
Oberbürgermeister Blettner würdigte Ludwig als außergewöhnlich engagierten und sachkundigen Kommunalpolitiker. Besonders hob er dessen Leidenschaft, Verantwortungsbewusstsein und parteiübergreifenden Respekt in der Ludwigshafener Bevölkerung hervor. Die Stadt erinnerte außerdem an Ludwigs Familie: Gemeinsam mit seiner Frau Lucia hatte er drei Kinder, sechs Enkel und fünf Urenkel.
Emigration prägte europäische Verbundenheit
Werner Ludwig stammte aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie. 1933 emigrierte sie nach Frankreich, wo Ludwig die Schule besuchte und sein Jurastudium begann. Nach Angaben der Stadt prägten ihn sowohl die Emigration als auch seine Jahre in Frankreich. Die Städtepartnerschaft zwischen Ludwigshafen und Lorient in der Bretagne war für ihn deshalb von besonderer Bedeutung.
1946 trat Ludwig der SPD bei. Soziale Gerechtigkeit, gute Lebensbedingungen in Ludwigshafen, Versöhnung und das Zusammenwachsen Europas gehörten zu den Themen, für die er sich einsetzte. Seit Anfang der 1960er Jahre lebte er mit seiner Familie in der Gartenstadt.
Engagement über Ludwigshafen hinaus
Auch außerhalb des Rathauses übernahm Ludwig zahlreiche Aufgaben. Er gehörte von 1963 bis 1965 dem Landtag Rheinland-Pfalz an und leitete dort den sozialpolitischen Ausschuss. Von 1964 bis 1999 war er Mitglied des Bezirkstags Pfalz; den Vorsitz führte er von 1964 bis 1974 sowie erneut von 1979 bis 1997.
Weitere Stationen waren der Vorsitz im Verein Naturpark Pfälzerwald von 1984 bis 1999, der Vorsitz im Aufsichtsrat der Pfalzwerke AG von 1965 bis 1998 und seine Arbeit im Vorstand des Städtetags Rheinland-Pfalz von 1965 bis 1989. Den Vorsitz des Städtetags hatte er von 1969 bis 1971 inne.
Für sein langjähriges Wirken erhielt Ludwig neben der Ehrenbürgermeisterwürde Ludwigshafens mehrere Auszeichnungen: 1990 das Große Bundesverdienstkreuz, 1992 die Europa-Union-Nadel in Gold, 1996 den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz und 2015 den französischen Titel „Officier de la Légion d’Honneur“.