In der Karlsbader Straße 43 in Ludwigshafen-Gartenstadt müssen Bewohner noch monatelang mit erheblichem Baulärm und Einschränkungen in ihren Wohnungen leben. Das Hochhaus der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft GAG wird umfassend saniert. Bagger, Bohrer und Fräsen sind im und am Gebäude im Einsatz; laut dem Bericht sollen die Arbeiten im Inneren bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Schon von außen ist die Baustelle deutlich sichtbar: Das Hochhaus ist vollständig eingerüstet, auf dem Vorplatz arbeitet ein Bagger, und Handwerker sind an der Fassade tätig. Im Treppenhaus werden mit einem großen Bohrer Schlitze in die Wände gefräst. In den Wohnungen müssen Bewohner den Lärm teilweise mit Kopfhörern aushalten.

Lärm, Staub und Schäden in den Wohnungen

Bei einer Messung in der Wohnung der Rentnerin Therese Dumrese zeigte ein Dezibel-Messgerät 65 bis 70 Dezibel an. Das entspricht laut dem Bericht ungefähr der Lautstärke einer stark befahrenen Straße. Dumrese schilderte, dass sie und ihr Mann manchmal mit Kopfhörern durch die Wohnung liefen.

„Auch wir laufen manchmal mit den Kopfhörern durch die Wohnung“, sagt Rentnerin Therese Dumrese.

Die Sanierung hat in ihrer Wohnung sichtbare Spuren hinterlassen. Ein früheres Fenster wurde zugemauert, die Wände in den Zimmern waren teilweise nicht tapeziert. In der Küche fehlten ein Ober- und ein Unterschrank, weil dort neue Entwässerungs- und Versorgungsschächte eingebaut werden sollen. Nach dem Herausreißen alter Heizungsrohre lief nach ihrer Darstellung Schmutzwasser an den Wänden entlang. An der Küchenwand waren dunkle Schlieren zu sehen.

Auch die 90-jährige Bewohnerin Marianne Lorch berichtet von erheblichen Belastungen. Ihre Küche wurde von zwei Seiten aufgerissen. Die Möbel im Wohnzimmer wurden auf eine Seite geräumt, sodass ihr nur wenig Platz zum Sitzen blieb. Im Flur lagen Kabel, außerdem kam sie mit ihrem Rollator nur schwer durch die Wohnung.

„Ich drücke das jetzt mal so aus: Ich war ein 'Dippelschisser', immer alles piccobello. Ich habe das nervlich nicht geschafft mit den Arbeiten in der Wohnung. Ich habe mich hingesetzt und nur noch geheult“, erzählt die Hochbetagte.

Bewohner Sven Huber beklagt ebenfalls die Auswirkungen der Arbeiten. In seiner Wohnung gab es laut dem Bericht Öffnungen in Decken und Böden, teilweise in der Größe eines Tennisballs. Durch solche Durchbrüche habe man in die Wohnung des Nachbarn sehen und Gespräche hören können. Huber startete im April eine Unterschriftenaktion im Haus. Er kritisierte kurzfristig angekündigte Handwerkereinsätze, fehlende Schutzfolien in den Wohnungen und den anhaltenden Lärm. Nach seinen Angaben leidet er bereits unter Schlafstörungen.

Warum das Hochhaus saniert wird

Das Gebäude benötigt eine umfassende Modernisierung. Geplant beziehungsweise erforderlich sind eine neue Dämmung, neue Fenster, Balkone und ein neues Heizungssystem. Außerdem soll der Brandschutz auf den aktuellen Stand gebracht werden. Zur Sanierung gehören ebenso ein neuer Eingangsbereich, eine neue Schließanlage und ein neuer Fahrstuhl.

Die Generalsanierung wurde den Mietern bereits Ende September 2025 schriftlich angekündigt. Die Kosten werden mit neun Millionen Euro angegeben. In dem Schreiben wurden die vorgesehenen Arbeiten und ein Zeitplan erläutert. Außerdem informierte die GAG über ein Sonderkündigungsrecht sowie eine mögliche Mieterhöhung von acht Prozent nach Abschluss der Generalsanierung.

Anfang Februar 2026 veranstaltete die GAG eine Informationsveranstaltung für die Bewohner der Karlsbader Straße 43. Klaus Schäffner, Bereichsleiter für das Ressort Planen und Bauen bei der GAG, erklärte dabei die Abläufe. Im Anschluss wurden individuelle Beratungen angeboten. Nach Angaben der GAG ist das Hochhaus das letzte Gebäude eines längeren Modernisierungsprozesses in der Gartenstadt; acht weitere Gebäude seien bereits auf vergleichbare Weise saniert worden.

GAG kündigt Reparaturen und Mietentlastung an

Durch die Bauarbeiten entstandene Wasserschäden sollen fachgerecht behoben werden. Die betroffenen Bewohner sollen Schäden und Kosten mit Fotos und Rechnungen dokumentieren und bei der GAG einreichen. Das Bauunternehmen empfiehlt, Renovierungen nicht eigenständig zu beginnen und Möbel nicht ohne vorherige Absprache mit der GAG zu ersetzen.

Nach Angaben von GAG-Vertreter Schäffner sollen Maler die Wohnungen Stockwerk für Stockwerk prüfen und dort tapezieren oder streichen, wo dies notwendig ist. Auch Deckendurchbrüche, die zunächst nur unzureichend oder gar nicht geschlossen wurden, sollen verschlossen werden.

Für die Bewohner bedeutet das: Die Arbeiten im Inneren des Hauses sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Die Sanierung des Außenbereichs soll bis Ende des Frühjahrs 2027 fertig werden. Als Entlastung erlässt die GAG den Mieterinnen und Mietern die Miete für Oktober, November und Dezember vollständig. Schäffner erklärte, die GAG habe die Entlastung auf diese drei Monate konzentriert, statt sie über einen längeren Zeitraum zu verteilen.

Nach Abschluss der Modernisierung erwartet die GAG eine deutliche Verbesserung des Hauses. Schäffner räumte zugleich ein, dass eine Generalsanierung im bewohnten Zustand für die Mieter zeitweise extrem belastend sei.

„Ich lade Sie ein, sich das modernisierte Haus nach Vollendung der Sanierung anzuschauen und auch mit den Bewohnern darüber zu sprechen, wie es ihnen nun gefällt“, bietet Schäffner an.