Ein Polizeieinsatz in der Ludwigshafener Gartenstadt hat den Tod eines Chihuahua zur Folge. Der Hund namens „Lucky“ wurde am Samstagabend, 10. Oktober, auf einem unbeleuchteten Parkplatz in der Batschkastraße von einem Polizeibeamten angeschossen. Das Tier wurde noch zu einem Tierarzt gebracht, erlag dort jedoch seinen Verletzungen. Die Tierschutzorganisation VETO fordert nun eine lückenlose Aufklärung und hat Anzeige gegen den Beamten erstattet.
Auslöser des Einsatzes war nach Angaben der Quelle ein Vorfall in einer Gaststätte. Ein Mann soll dort zuvor einen Mitarbeiter mit einer Schusswaffe bedroht haben. Noch bevor die Polizei eintraf, soll der Tatverdächtige gemeinsam mit einem Hund geflüchtet sein. Die Beamten trafen auf dem Parkplatz in der Batschkastraße jedoch einen 36-jährigen Mann und dessen Hund an.
Schuss auf nicht angeleinten Hund
Da die Einsatzkräfte nach einem Mann mit Schusswaffe fahndeten, sollte der 36-Jährige nach Darstellung der Polizei aus Gründen der Eigensicherung unter Vorhalt der Dienstwaffe kontrolliert werden. Der Mann reagierte laut Polizeimitteilung nicht auf die Ansprache. Sein Hund war nicht angeleint und bewegte sich auf die Einsatzkräfte zu. Daraufhin wurde im Rahmen des unmittelbaren Zwangs einmal auf das Tier geschossen.
Bei dem Hund handelte es sich laut dem Bericht um „Lucky“, einen Chihuahua mit schwarzem Fell, weißen Abzeichen an Nase und Brust sowie vier weißen Pfoten. Am Parkplatz erinnert inzwischen ein Bild an das Tier. Darunter steht ein Text, der mit den Worten „unfassbar traurig…“ beginnt.
Unklar ist weiterhin, wie genau es zur Schussabgabe kam und ob der Hund aus Sicht der Einsatzkräfte eine konkrete Gefahr darstellte. Die Quelle weist darauf hin, dass die Polizei in ihren ersten beiden Mitteilungen nicht von einer Gefahr gesprochen habe, sondern davon, dass sich der nicht angeleinte Hund auf die Beamten zubewegt habe.
VETO erstattet Anzeige
VETO, eine seit 2016 für heimatlose Hunde und Katzen in Europa tätige Tierschutzorganisation, verlangt Antworten. Die Organisation sieht in dem Schuss einen möglichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und hat bei der Staatsanwaltschaft Frankenthal Anzeige gegen den Beamten erstattet.
„Auf einen kleinen Chihuahua zu schießen und als Rechtfertigung dafür von ernstzunehmender Gefahr zu sprechen, ist an Absurdität kaum zu übertreffen. Wir trauern um den Hund, dessen Tod vermeidbar war. Gewalt gegen Tiere muss spürbare Folgen haben, auch wenn sie von der Polizei ausgeht, immerhin ist es in Deutschland strafbar, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Daher fordern wir eine lückenlose Aufklärung des Einsatzes und Konsequenzen für den verantwortlichen Beamten“,
sagte Scarlett Treml von VETO laut der im Ausgangsbericht wiedergegebenen Pressemitteilung.
Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen
Das Polizeipräsidium Rheinpfalz und der beteiligte Beamte bedauern nach Angaben der Polizei den Tod des Hundes und die Folgen für den Halter. Die notwendigen Schritte zur Aufklärung seien eingeleitet worden. Im Mittelpunkt stehe insbesondere die Frage, wie es genau zur Schussabgabe kam.
Nach Abschluss der Ermittlungen soll der Sachverhalt der unabhängigen Staatsanwaltschaft zur weiteren rechtlichen Bewertung und Entscheidung vorgelegt werden. Zugleich weist die Polizei auf kritische Beiträge in sozialen Medien hin. Sachliche Kritik am polizeilichen Handeln sei selbstverständlich zulässig; herabwürdigende oder beleidigende Äußerungen gegen den Beamten oder die Polizei würden jedoch nicht akzeptiert.
Besonders wichtig für die weitere Aufklärung ist laut Bericht außerdem: Der 36-jährige Hundehalter soll nicht der Mann gewesen sein, der nach dem Vorfall in der Gaststätte geflüchtet war.