Wer in Ludwigshafen laut über den Lautsprecher seines Smartphones telefoniert, kann in Bus oder Straßenbahn künftig direkt angesprochen werden. Fahrerinnen und Fahrer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH spielen eine entsprechende Durchsage ab, wenn sie selbst ein solches Gespräch bemerken oder von anderen Fahrgästen darauf hingewiesen werden.
Die Ansage läuft seit Anfang des Jahres in den Straßenbahnen im Rhein-Neckar-Gebiet auf Deutsch und Englisch. Ihr Inhalt ist klar: „Bitte beachten Sie, die Lautsprecher ihres Handys auszuschalten oder Kopfhörer zu verwenden.“ Damit sollen Fahrgäste nicht grundsätzlich vom Telefonieren abgehalten werden. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie stark andere Mitreisende durch die Lautstärke gestört werden.
Linie 10 verbindet Süd und Friesenheim
Besonders anschaulich wird das Thema auf der Ludwigshafener Linie 10. Sie fährt einmal quer durch die Stadt – vom Stadtteil Süd bis nach Friesenheim im Norden. Viele Menschen nutzen während der Fahrt ihr Handy; einige telefonieren dabei über den integrierten Lautsprecher.
Dass es in einer Straßenbahn nie völlig ruhig ist, wird dabei nicht bestritten. Trotzdem wünschen sich viele Fahrgäste, dass private Gespräche nicht unfreiwillig zum gemeinsamen Hörerlebnis werden. Hamide Öztürk sagt, man könne auch außerhalb der Bahn telefonieren. Es sei ohnehin laut genug, zusätzlich andere zu belästigen, finde sie sehr störend.
Auch Torsten Gelfert empfindet vor allem extrem laute Gespräche als problematisch. Er habe zuletzt mehrfach erlebt, dass der Fahrer per Durchsage zu mehr Rücksicht auf andere Fahrgäste aufgefordert habe.
Fahrer berichtet von unterschiedlicher Wirkung
Straßenbahnfahrer Matthias Broll hat die Durchsage nach eigenen Angaben bereits öfter eingesetzt. Wenn hinten laut über den Lautsprecher telefoniert werde, spiele er sie ab – entweder, weil er es selbst mitbekomme, oder nachdem andere Fahrgäste ihn darauf aufmerksam gemacht hätten.
Die Reaktionen darauf fallen laut Broll unterschiedlich aus. Manche Menschen ließen sich grundsätzlich nicht beeindrucken, auch wenn sie unmittelbar angesprochen würden. Andere seien danach „fast schon ein bisschen peinlich berührt“.
Warum Telefonierende ihre Umgebung ausblenden
Der Soziologe Sascha Dickel, Professor für Mediensoziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, erklärt das Verhalten mit der unterschiedlichen Wahrnehmung während eines Telefonats. Für die telefonierende Person sei es ein persönliches Gespräch; die übrigen Menschen würden eher als Umgebung wahrgenommen. Für die Mitreisenden wirke es dagegen so, als werde ihnen das Gespräch aufgedrängt.
Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH wirbt deshalb für gegenseitige Rücksicht. Musik und Telefonate würden nicht verboten, erklärt Moritz Feier vom Verkehrsunternehmen. Beides solle jedoch „mit Maß und Ziel“ geschehen – verbunden mit der Frage, ob das eigene Verhalten gerade andere störe. Die Verantwortlichen setzen dabei vor allem auf Kopfhörer und hoffen, dass die Durchsagen zumindest bei einem Teil der Fahrgäste etwas verändern.