Für Pendler zwischen Mannheim und Ludwigshafen beginnt eine langwierige Umstellung: Die Kurt-Schumacher-Brücke ist seit Mittwoch, 5. August, in beide Richtungen für den motorisierten Verkehr gesperrt. Die Vollsperrung soll vier Jahre dauern. Auf der Mannheimer Seite wurden die Zufahrten am Morgen nach und nach geschlossen, die erste bereits vor 8 Uhr. Dadurch konnten einige Berufspendler die Rheinquerung schon früh nicht mehr nutzen.
Betroffen ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen den beiden Städten. Nach Angaben des städtischen Baustellenmanagements fahren normalerweise rund 55.000 Fahrzeuge täglich über die Kurt-Schumacher-Brücke, darunter etwa 5.500 Lastwagen. Über beide Rheinbrücken zusammen sind es an normalen Tagen ungefähr 120.000 Fahrzeuge.
Warum die Brücke gesperrt ist
Grund für die Sperrung sind Schäden am nördlichen Brückenkopf auf Ludwigshafener Seite. Die Stadt nennt mehrere Fälle von „Spannungsriss-Korrosion“. Deshalb wird die 1972 fertiggestellte Brücke für den Verkehr in beiden Richtungen geschlossen.
Die Sperrung steht zugleich im Zusammenhang mit dem Rückbau der Hochstraße Nord. Nach dem Abriss der Hochstraße, die an die Kurt-Schumacher-Brücke anschließt, soll dort eine ebenerdige neue Stadtstraße entstehen. Die Ludwigshafener Zufahrten in Richtung Mannheim waren bereits seit dem 1. August gesperrt. Nun wurden auch die vier Zufahrten auf Mannheimer Seite geschlossen.
Die weiteren Sperrungen sollten im Laufe des Vormittags folgen, spätestens gegen 12 oder 13 Uhr. An den neuralgischen Punkten sollten zugleich Hinweis- und Umleitungsschilder aufgestellt werden. Ob wegen der neuen Verkehrslage andere Straßenbauarbeiten in Mannheim verschoben werden können, war zuletzt noch offen und wurde intern geprüft.
Diese Ausweichstrecken werden empfohlen
Für Autofahrer ist die Konrad-Adenauer-Brücke südlich der gesperrten Rheinquerung die naheliegendste Alternative. Schwerlastverkehr soll nach Angaben im Bericht möglichst die A6 nutzen. Bei Frankenthal führt dort die Theodor-Heuss-Brücke über den Rhein.
In Mannheim werden vor allem auf dem Parkring und der Bismarckstraße Staus erwartet. Beide Straßen führen zur Konrad-Adenauer-Brücke. Die Polizei rechnet zwar mit zeitweisen Verkehrsbehinderungen, nach eigener Einschätzung aber nicht mit einem größeren Verkehrschaos. Der Baustellenmanager Daniel Ihrig erwartet, dass die ersten Tage zunächst schwierig werden. Die Verkehrsströme sollen laufend beobachtet werden, damit bei Bedarf zusätzliche Umleitungsschilder oder andere Anpassungen möglich sind.
Die Sommerferien könnten den Start der Sperrung zunächst etwas abfedern: In Baden-Württemberg waren sie zum Zeitpunkt der Sperrung noch nicht beendet, in Rheinland-Pfalz endeten sie erst am folgenden Wochenende. Nach einigen Tagen könne sich der Verkehr nach Einschätzung der Verantwortlichen besser verteilen, wenn sich die Verkehrsteilnehmer auf die neue Situation eingestellt haben.
Öffentlicher Nahverkehr und Radverkehr
Für Radfahrer und Fußgänger bleibt die Kurt-Schumacher-Brücke geöffnet. Am Mittwochmorgen nutzten bereits zahlreiche Radfahrer den Radweg der Brückenauffahrt.
Im Straßenbahnverkehr hatte die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH die Verbindung über die Kurt-Schumacher-Brücke bereits zuvor eingestellt: Seit dem 1. Juni fahren zwischen Mannheim und Ludwigshafen alle Straßenbahnen über die Konrad-Adenauer-Brücke. Größere Änderungen im rnv-Linienverkehr sind wegen der Vollsperrung zunächst nicht vorgesehen. Auf Ludwigshafener Seite werden jedoch die Buslinien 75, 76 und 95, der Nachtbus, umgeleitet.
Für Pendler sollen ab dem 10. August zwei zusätzliche Straßenbahnverbindungen angeboten werden. Die Expresslinie 9X fährt von Bad Dürkheim bis zum Mannheimer Luisenpark. Die Linie 15 verbindet den Mannheimer Hauptbahnhof mit dem Ludwigshafener Ebert-Park. Beide Angebote gab es zeitweise bereits früher.
Auch Navigations-Apps können die Verkehrslage beeinflussen, indem sie bei Sperrungen und Staus kurzfristig Ausweichrouten vorschlagen. Die Polizei erwartet, dass dies den Verkehr etwas entzerren kann. Zusätzlich könnten mehr Menschen vorübergehend im Homeoffice arbeiten oder auf Fahrrad, Bus und Bahn umsteigen.
Die Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke soll vier Jahre dauern. Für Pendler bleibt damit vor allem die Konrad-Adenauer-Brücke die wichtigste innerstädtische Ausweichroute, während der Schwerlastverkehr auf die A6 gelenkt werden soll.