Die Komplettsperrung der Kurt-Schumacher-Brücke verändert den morgendlichen Weg über den Rhein: Zwischen Ludwigshafen und Mannheim staut sich der Autoverkehr häufig, während auf dem Radweg an der Konrad-Adenauer-Brücke immer mehr Menschen unterwegs sind. Erste Pendler, die sonst mit dem Auto fahren, steigen nach Angaben des SWR Aktuell auf das Fahrrad um.
Die Kurt-Schumacher-Brücke ist seit Mittwoch, dem 5. August, vollständig gesperrt. Grund ist der Rückbau der Hochstraße Nord. Die Sperrung soll vier Jahre dauern. Für Pendler zwischen Ludwigshafen und Mannheim bleibt damit die Konrad-Adenauer-Brücke als einzige Rheinquerung.
Radweg an der Konrad-Adenauer-Brücke stark genutzt
Am Mittwochmorgen kurz nach 7 Uhr reihen sich auf der Straße an der Konrad-Adenauer-Brücke die Autos aneinander. Auf dem Radweg kommen dagegen laufend neue Fahrradfahrer vorbei. Darunter sind Berufspendler, schnelle E-Bike-Fahrer, Eltern mit kleinen Kindern und Nutzer von Leihrädern. Einige fahren entspannt, andere zügig über die Brücke.
Direkt an der Auffahrt steht an diesem Morgen das ehrenamtliche Brückenkaffee-Team. Jeden zweiten Mittwoch verteilt es Kaffee, Obst und Muffins an vorbeifahrende Radfahrer. Die Aktion soll vor allem ein Dankeschön an diejenigen sein, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Zwischen 7 und 8 Uhr sind nach Angaben des Berichts rund 200 Muffins ausgegeben worden.
Die Ehrenamtlichen beobachten nach eigener Darstellung bereits seit Jahren, dass mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren. Auffällig sei außerdem, dass zunehmend hochwertige Fahrräder und besonders viele E-Bikes genutzt würden.
Autopendlerin prüft den Wechsel zum E-Bike
Zu den Radfahrerinnen gehört Martina aus Ludwigshafen. Sie fährt täglich zur Arbeit in die Mannheimer Innenstadt und nutzte dafür bislang meistens das Auto. Wegen der morgendlichen und abendlichen Staus nach der Brückensperrung hat sie sich nun für das Fahrrad entschieden. Inzwischen denkt sie sogar über die Anschaffung eines E-Bikes nach.
„Klar ist man verschwitzt, aber man kann sich ja ein Wechselshirt mitnehmen.“
Auch andere Radfahrer, die schon länger zwischen den beiden Städten unterwegs sind, begrüßen den stärkeren Radverkehr. Christine Stock sagt, viele ihrer Kollegen klagten über den Berufsverkehr. Ihrer Einschätzung nach könnten dauerhaft hohe Belastungen weitere Menschen dazu bringen, nach Alternativen zum Auto zu suchen.
„Ich glaube wenn der Leidensdruck auf Dauer hoch ist, wird sich schon der ein oder andere eine Alternative überlegen.“
Mehr Radverkehr, aber auch Abgase
Der Umstieg ist allerdings nicht ohne Nachteile. Auf der Konrad-Adenauer-Brücke ist der Geruch von Autoabgasen deutlich wahrnehmbar. Gleichzeitig kommen Radfahrer offenbar schneller auf die andere Rheinseite als viele Autofahrer im Stau.
Ob die auf vier Jahre angelegte Sperrung langfristig tatsächlich mehr Menschen zum Fahrrad bringt, lässt sich nach den ersten Tagen noch nicht beurteilen. Schon jetzt ist an der verbliebenen Rheinquerung zwischen Ludwigshafen und Mannheim jedoch eine deutlich sichtbare Nutzung des Radwegs festzustellen. Handwerksbetriebe rechnen zugleich mit erheblichen Verkehrsproblemen und zeigen sich wegen der Situation verunsichert.