Für Handwerksbetriebe aus Ludwigshafen wird der Weg zu Kunden in Mannheim deutlich schwieriger: Seit fast einer Woche ist die Kurt-Schumacher-Brücke zwischen den beiden Städten für den Verkehr gesperrt. Die Verbindung soll vier Jahre lang geschlossen bleiben, weil die anschließende Hochstraße Nord abgerissen wird. Damit steht Pendlern und Lieferverkehren zwischen Ludwigshafen und Mannheim derzeit nur noch die Konrad-Adenauer-Brücke über den Rhein zur Verfügung.
Die Folge sind bereits längere Fahrzeiten und Ausweichstrecken. Handwerksbetriebe befürchten, dass sich die Staus weiter verschärfen und der Verkehr zwischen den Schwesterstädten teilweise zum Erliegen kommen könnte. Besonders problematisch ist die Situation für Unternehmen, die Material, Werkzeug und Mitarbeitende zu Kundinnen und Kunden auf der jeweils anderen Rheinseite bringen müssen.
Mehr Zeit und steigende Kosten für Betriebe
Pfälzische Handwerksbetriebe nehmen nach Angaben des SWR normalerweise gerne Aufträge in Baden-Württemberg an, weil dort höhere Tarife erzielt werden können. Wegen zahlreicher Baustellen und Sperrungen sei es zuletzt jedoch schon schwierig gewesen, Kunden in Mannheim zuverlässig zu bedienen. Die zusätzliche Belastung durch die gesperrte Kurt-Schumacher-Brücke verschärft diese Lage.
Die längeren Anfahrten verursachen zusätzliche Arbeitszeit, höhere Fahrzeugkosten und möglicherweise weitere Ausgaben für die Kundschaft. In den Betrieben wird deshalb über neue Abrechnungsmodelle nachgedacht. Statt einer festen Anfahrtspauschale könnte künftig womöglich die tatsächlich benötigte Anfahrtszeit berechnet werden. Ob und wie solche Kosten an Kunden weitergegeben werden, ist laut dem Bericht noch Gegenstand von Überlegungen.
Auch der Ludwigshafener Malermeister und CDU-Stadtrat Christoph Heller sucht nach praktischen Lösungen. Er lässt seine Beschäftigten morgens eine Stunde früher losfahren, damit sie noch vor dem stärksten Berufsverkehr über die Konrad-Adenauer-Brücke kommen. Zusätzlich prüft er, einen Transporter mit Farben, Tapeten und Werkzeug bereits bei geringerem Verkehrsaufkommen nach Mannheim zu schicken. Die Mitarbeitenden könnten anschließend mit dem Fahrrad zum Einsatzort fahren.
Nach den Sommerferien wird eine Verschärfung erwartet
Die Handwerksbetriebe in der Pfalz rechnen damit, dass die Verkehrsprobleme Mitte September noch zunehmen. Dann sind die Sommerferien in Baden-Württemberg beendet und mehr Berufspendler wieder unterwegs. Die Konrad-Adenauer-Brücke muss dann den Verkehr aufnehmen, der bislang auch über die Kurt-Schumacher-Brücke geflossen ist.
Von den Einschränkungen betroffen sind neben Pendlern und Handwerksunternehmen auch Lieferverkehre und Kunden. Die Industrie- und Handelskammern Pfalz sowie Rhein-Neckar hatten bereits Ende Juli vor erheblichen Zeitverlusten, zusätzlichen Kosten und großer Unsicherheit für die Region gewarnt. Nach ihrer Einschätzung ist damit genau die Entwicklung eingetreten, vor der sie seit Jahren gewarnt hatten.
Kammern fordern schnelle Prüfung der gesperrten Brücke
Die Kammern sehen in der ungeplanten Vollsperrung zugleich eine mögliche Gelegenheit: Während der Abriss- und Neubauphase der Hochstraße Nord könnte die Kurt-Schumacher-Brücke saniert werden. Sie fordern Politik und Verwaltung deshalb auf, rasch offenzulegen, wie eine Sanierung organisiert und die Brücke möglichst schnell wieder für den Verkehr geöffnet werden kann.
Bis dahin bleibt die Konrad-Adenauer-Brücke die zentrale Ausweichverbindung zwischen Ludwigshafen und Mannheim. Für Betriebe bedeutet das, Fahrten neu zu planen, mehr Zeit einzu kalkulieren und mögliche Mehrkosten zu berücksichtigen.