In Rheinland-Pfalz gehen die Kinderzahlen zurück – doch in Ludwigshafen fehlen nach Schätzungen weiterhin mehr als 1.000 Kitaplätze. Damit steht die Stadt vor einer anderen Situation als mehrere Gemeinden im Rhein-Pfalz-Kreis, die geplante Neubauten und Erweiterungen zunächst zurückstellen.
Der Hintergrund ist ein landesweiter Wandel: In Deutschland fehlen nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft rund 300.000 Kitaplätze. Gleichzeitig sinkt in Rheinland-Pfalz die Zahl der Kinder, die Betreuung brauchen. Nach Angaben des Statistischen Landesamts ging die Zahl der unter Dreijährigen in Kitas im Vergleich zum Vorjahr um mehr als fünf Prozent zurück. Das entspricht etwa 1.700 Kindern. Auch bei den Drei- bis Sechsjährigen ist die Zahl rückläufig. Statistiker erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt.
Gemeinden stoppen fertige Kita-Pläne
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Böhl-Iggelheim. Dort gibt es sechs Kitas für rund 550 Kinder. Noch im vergangenen Jahr hielt die Gemeinde das Angebot für nicht ausreichend und plante, die Kita in der Römerstraße um 70 Plätze zu erweitern. Die Pläne sind fertig, werden aber vorerst nicht umgesetzt.
Bürgermeister Peter Christ (CDU) begründet die Kehrtwende mit der veränderten Prognose. Vor dem Ausbau sei mit mehr Kindern gerechnet worden. Unter Berücksichtigung der Entwicklung der Geburtenrate ergebe sich rechnerisch bereits im kommenden Jahr ein Überhang von vier Kitaplätzen. Der Ausbau solle deshalb zunächst nicht weiter vorangetrieben werden.
Auch Dannstadt-Schauernheim hat einen geplanten Kita-Neubau gestoppt. Dort war bereits ein Bauantrag eingereicht. Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) will das Genehmigungsverfahren zwar weiterführen, das Projekt danach aber zunächst zurückstellen. Als Grund nennt sie sinkende Geburtenzahlen und freie Teilzeitplätze. In Birkenheide wurde ein geplanter Neu- beziehungsweise Ausbau ebenfalls gestoppt.
Die Lage bleibt regional sehr unterschiedlich
Für Familien in Ludwigshafen bedeutet der landesweite Rückgang daher nicht automatisch eine schnelle Entspannung. Während in manchen Kommunen bereits freie Kapazitäten entstehen, suchen Eltern in dicht besiedelten Teilen der Vorderpfalz und in Großstädten weiterhin einen Betreuungsplatz. Auch neue Wohngebiete können den Bedarf erhöhen.
Das Beispiel Haßloch zeigt, dass trotz sinkender Kinderzahlen weiterhin investiert wird: Die Gemeinde im Kreis Bad Dürkheim plant eine neue Kita mit 150 Plätzen. Entscheidend ist damit nicht nur die allgemeine Geburtenentwicklung, sondern auch, wo Familien leben und neue Wohnungen entstehen.
In Böhl-Iggelheim bleiben die Ausbaupläne deshalb greifbar. Sollte der Bedarf entgegen der aktuellen Erwartung wieder steigen, könnte die Gemeinde die Erweiterung umsetzen. Für Ludwigshafen verweist der Bericht dagegen auf den weiterhin hohen Fehlbedarf von mehr als 1.000 Plätzen. Eine Entwarnung für Eltern lässt sich aus dem Rückgang der Kinderzahlen daher nicht ableiten.