Für viele junge Menschen in Ludwigshafen führt der Weg von der Schule nicht direkt in Ausbildung oder Beruf. Im September waren bei der Arbeitsagentur Ludwigshafen 1.906 junge Menschen arbeitslos gemeldet – 137 mehr als ein Jahr zuvor. Besonders auffällig: 1.448 von ihnen hatten keinen abgeschlossenen Berufsabschluss.

Die Zahlen stehen in einem schwierigen Arbeitsmarktumfeld. In Rheinland-Pfalz lag die Arbeitslosenquote im Juni bei 5,5 Prozent. Das war laut dem Bericht der höchste Wert für diesen Monat seit 2009. In der Pfalz seien die Arbeitslosenzahlen zwar relativ konstant, sagt Frederic Spang von der Arbeitsagentur Vorderpfalz aus Ludwigshafen. Er arbeitet als Arbeitsvermittler mit Menschen unter 25 Jahren, die keinen Ausbildungsabschluss haben.

Mehr als 50 Bewerbungen – aber kein Ausbildungsplatz

Wie kompliziert der Einstieg sein kann, zeigt die Geschichte von Jasmin. Die heute 26-Jährige wusste bereits vor dem Abitur, dass sie Industriekauffrau werden wollte. Sie verschickte mehr als 50 Bewerbungen. Einige Unternehmen luden sie zu Gesprächen ein, einen Ausbildungsplatz bekam sie dennoch nicht. „Dann habe ich erstmal angefangen zu arbeiten, um Geld zu verdienen“.

Jasmin arbeitete anschließend ein Jahr bei einem Energiekonzern, verdiente nach dem Bericht gutes Geld und begann ein BWL-Studium. Nebenher arbeitete sie weiter. Als sie bei einer Prüfung vor dem Drittversuch stand, brach sie das Studium ab und wurde arbeitslos. „Bei einer Prüfung war ich vor dem Drittversuch, da habe ich dann lieber abgebrochen“, sagt sie.

Helferjobs können zur Sackgasse werden

Viele junge Menschen bleiben nach Einschätzung von Spang in sogenannten Helferjobs. Dazu zählen beispielsweise Tätigkeiten in der Industrie, beim Abfüllen von Chemikalien oder im Einzelhandel. Für diese Arbeiten ist keine abgeschlossene Ausbildung erforderlich. Das Problem: Manche hangeln sich von einem Helferjob zum nächsten und werden später arbeitslos.

Im Sommer war dem Bericht zufolge jeder zehnte Mensch zwischen 20 und 24 Jahren in Deutschland ohne Job, Bildungs- oder Ausbildungsplatz. Der Anteil steige seit Jahren. Zugleich haben junge Menschen laut dem Bericht oft Schwierigkeiten, aus den vorhandenen Möglichkeiten auszuwählen. Spang beschreibt das große Angebot als etwas, das überfordern und lähmen könne.

Unterschiedliche Erwartungen und fehlende Grundlagen

Als weiteren Grund nennt Spang unterschiedliche Erwartungen zwischen Jugendlichen und Unternehmen. Manche Menschen erschienen nicht zum Ausbildungsbeginn oder seien in der Probezeit unentschuldigt krank. Anschließend wunderten sie sich, wenn sie nicht übernommen würden.

Auch Bildungsprobleme können den Start erschweren. Die im Bericht erwähnte PISA-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass jeder dritte Jugendliche Schwierigkeiten beim Rechnen und Lesen hat. Spang berichtet von einem jungen Mann, der dreimal durch die Bäckerausbildung fiel. Handwerklich sei er sehr gut gewesen, habe aber die notwendigen Mengenberechnungen nicht ausführen können.

Bei Jasmin lagen diese Probleme nach dem Bericht nicht vor: Sie hatte Abitur, gute Noten und war motiviert. Mithilfe der Arbeitsagentur konnte sie drei Monate nach ihrer Arbeitslosigkeit eine Umschulung beginnen. Dafür absolvierte sie einen Eignungstest. Nun kann sie doch noch die Ausbildung zur Industriekauffrau abschließen; im November stehen ihre Abschlussprüfungen an.