In der Galerie Lauth in der Mundenheimer Straße 252 geht es derzeit nicht nur um das Bild, sondern um das, was es umgibt: Die Ludwigshafener Galerie gibt Einblick in die traditionelle Rahmenkunst und zeigt ein außergewöhnliches Einzelstück. Vergolderin Chantal Becker hat einen florentinischen Kassettenrahmen nach historischem Vorbild originalgetreu nachgebildet.
Das Vorbild stammt aus dem Palazzo Pitti in Florenz. Becker setzte dabei einen bewusst starken Kontrast: Auf dunklem Ebenholz gestaltete sie von Hand ein filigranes Muster aus Ranken, Blüten und Vögeln. Das Ergebnis ist eine kostbare Seltenheit im Arbeitsalltag der Vergolderin – und ein Beispiel für Techniken, die heute nur noch selten nachgefragt werden.
Schicht für Schicht freigelegte Goldfläche
Für die ornamentale Gestaltung verwendete Becker die Radierungstechnik, auch Sgraffito genannt. Dabei wird Schicht für Schicht mit einem feinen Holzstift Material weggekratzt, bis die darunterliegende Glanzvergoldung sichtbar wird. Die Methode verlangt nicht nur handwerkliche Präzision, sondern auch zeichnerisches Können.
„Das sind Techniken, die wir als Vergolder können, aber die im Alltag selten gefragt sind. Für Scraffito muss man zeichnen und das kann Chantal Becker besonders gut“, erklärt Galerist Werner Lauth. Aus diesem Grund präsentiert er das Einzelstück öffentlich und lädt Interessierte dazu ein, die Werkstatt zu besuchen.
Nach dem Sgraffito wurden die Vögel und Blüten mit der Lüstertechnik koloriert. Eine transparente Farblasur lässt das Metall unter den roten und blauen Flächen weiter durchschimmern. So verbindet der Rahmen eine historische Gestaltung mit einer sichtbar aufwendigen Farbwirkung.
Rahmen für Spiegel oder moderne Grafik
Der außergewöhnliche Rahmen ist nicht auf ein bestimmtes Gemälde festgelegt. Nach Angaben der Galerie könnte er für einen Spiegel oder für eine moderne Grafik verwendet werden. Gerade der Kontrast zwischen dem kunstvoll bearbeiteten Rahmen und einem zeitgenössischen Motiv soll dabei die Wirkung des Bildes verstärken.
Rund 40 Stunden Arbeitszeit stecken in dem Stück. Unverkäuflich ist es mit einem Wert von 3500 Euro angegeben. Der Preis erklärt sich vor allem durch die umfangreiche Handarbeit, die im heutigen Alltag der Werkstatt vorwiegend bei der Restaurierung historischer Rahmen gefragt ist.
Restaurierungen sichern seltenes Können
Für Restaurierungsarbeiten erhält die Galerie nach Lauths Angaben etwa drei bis vier Kundenaufträge pro Monat. Die vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen dafür die alten Vergoldertechniken beherrschen. Die aktuelle Präsentation macht sichtbar, welche Arbeitsschritte hinter einem aufwendig gefertigten Rahmen stehen.
Seit etwa einem Dreivierteljahr sei die Nachfrage in der Kunstbranche allerdings gering, berichtet Lauth auch mit Blick auf Rückmeldungen aus anderen Betrieben. Er vermutet, dass viele Menschen derzeit sparen. Mit einem Augenzwinkern sagt der Galerist: „Vermutlich floriert jetzt mehr der Klimagerätebau.“
Während die Galerie sonst regelmäßig Ausstellungen mit Gemälden veranstaltet, richtet sich der Blick nun auf das handwerkliche „Drumherum“. Besucherinnen und Besucher können in der Mundenheimer Straße erleben, wie historische Vergolderkunst mit zeichnerischer Gestaltung und moderner Präsentation verbunden wird.