Beim 22. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ist „Rose“ mit dem Filmkunstpreis als bester Film des Wettbewerbs ausgezeichnet worden. Das Drama mit Sandra Hüller erzählt von einer Frau, die sich kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg als Mann ausgibt, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Als eine Heirat bevorsteht, kann die Hauptfigur ihr Geheimnis nicht länger verbergen. Die Jury mit der Schauspielerin Margarita Broich, der Produzentin Alice Brauner und dem ehemaligen NDR-Fernsehspielchef Christian Granderath würdigte den Film als Beitrag, der die männlich geprägte Gesellschaftsordnung durchbreche. Damit sei das Thema aktueller denn je.
Regiepreis für „Silent Friend“
Der Regie-Filmkunstpreis ging an die Ungarin Ildikó Enyedi für „Silent Friend“. Der Film verbindet drei Geschichten aus den Jahren 1908, 1975 und 2020. Schauplatz ist jeweils Marburg, wo die Handlung rund um einen großen Ginkgobaum im Botanischen Garten angesiedelt ist.
Der Baum ist der stille Freund aus dem Filmtitel und wird im Film zu einem Ort des Trostes. Die Jury hob besonders die ruhige und sensible Bildsprache hervor. Luna Wedler spielt in einer der Zeitebenen die erste Frau, die an der Universität Marburg studieren darf.
Drehbuchpreis für die einzige Komödie
In der Kategorie Drehbuch wurde „Extrawurst“ ausgezeichnet. Die Autoren Dieter Jacobs und Moritz Netenjacob führen in eine Sitzung eines Tennisclubs, in der die Anschaffung eines neuen Grills zum Streitpunkt wird. Zur Debatte steht ein zusätzlicher Grill für den muslimischen Starspieler des Vereins.
Aus der zunächst scheinbar praktischen Frage entwickeln sich Auseinandersetzungen, Rücktritte, Handgreiflichkeiten und Chaos. Der Film behandelt dabei Rassismus und Chauvinismus. Die Jury wollte mit dem Preis ausdrücklich das häufig unterschätzte Genre Komödie würdigen. Zugleich wurde angemerkt, dass „Extrawurst“ als einzige Komödie im Wettbewerb keine wirkliche Konkurrenz in dieser Sparte gehabt habe.
Publikumspreis für zwei Filme
Das Ludwigshafener Publikum zeichnete „Block 10“ mit Christian Berkel aus. Das Drama handelt von einem jüdischen Arzt im Vernichtungslager Auschwitz, der zu grausamen Menschenexperimenten gezwungen wird, darunter Zwangssterilisierungen von Frauen. Der Film wurde von Jurymitglied Alice Brauner produziert und konnte deshalb nicht im Hauptwettbewerb antreten.
Den Publikumspreis erhielt außerdem „Adams Acht“. Der Ruderfilm wurde in Ludwigshafen von dem aus Freinsheim stammenden Schauspieler Leonard Kunz präsentiert. „Block 10“ soll ab 5. November in den Kinos laufen, „Adams Acht“ ab 17. September.