Ein verschwundenes Kulturobjekt, ein zu Unrecht verdächtigter Großvater und Kinder, die selbst ermitteln: Nancy Mac Granaky-Quayes Spielfilm „Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ kommt zum Festival des deutschen Films nach Ludwigshafen. Der Film ist im Kinderfilmfest für den „Goldenen Nils“ nominiert und läuft auf der Parkinsel zu mehreren Terminen.

Die Geschichte beginnt mit Johanna, gespielt von Muiné Keune, die unerwarteten Besuch von ihrem Großvater aus Afrika erhält. Bei einem Besuch im Leipziger Grassi-Museum für Völkerkunde erkennt der Großvater eine Maske wieder. Er identifiziert sie als einstiges Eigentum seines Volkes. Als die Maske am nächsten Morgen verschwunden ist, gerät ausgerechnet er unter Verdacht, sie gestohlen zu haben.

Johanna und ihre Freunde wollen seine Unschuld beweisen. Gemeinsam versuchen sie, den Einbrecher oder die Einbrecherin zu finden. Neben Muiné Keune ist Morris Mayer beteiligt. Die Regisseurin verbindet die Krimihandlung mit einem komödiantischen Zugang, den sie bereits bei der Regie von „Homeshopper's Paradise“ im Jahr 2022 eingesetzt hatte.

Ein Kinderfilm über koloniales Raubgut

Im Zentrum steht für Mac Granaky-Quaye nicht nur ein spannender Fall, sondern auch die Frage, wie mit Kulturgütern aus kolonialer Zeit umgegangen wird. Die Regisseurin wollte ein deutsches PoC-Mädchen in den Mittelpunkt stellen. Eine solche Figur habe sie sich in ihrer eigenen Jugend gewünscht, sei in den 1980er-Jahren aber undenkbar gewesen, berichtet sie im Gespräch.

Die Auseinandersetzung mit der Rückgabe von Raubkunst beschreibt Mac Granaky-Quaye als Prozess, bei dem unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden müssten. „Es geht um einen Heilungsprozess, in dem jede Seite ihre Perspektive eingeben kann“, sagt sie. Europa müsse verstehen, dass es um das Erbe Afrikas gehe. Nach ihren Angaben lagern 90 Prozent der überlieferten „Cultural Belongings“ außerhalb des afrikanischen Kontinents.

Die Regisseurin verweist außerdem auf Alice Diops Berlinale-Gewinnerfilm „Dahomey“. Darin werde sichtbar, was es für Kinder in Benin bedeuten könne, Werke aus ihrer Heimat erstmals zu sehen. Für Mac Granaky-Quaye folgt daraus, dass Kunstwerke in Afrika für alle zugänglich bleiben sollten und nicht in Privatbesitz verschwinden dürften. Sie betont zugleich, dass viele Museen in Afrika hervorragende Bedingungen böten.

Dreharbeiten mit jüngeren Kindern

„Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ ist Mac Granaky-Quayes erster Spielfilm für Heranwachsende und steht nach Angaben der Regisseurin in der Tradition des klassischen Kinderfilms. Die Arbeit mit Kindern stellte das Team vor besondere organisatorische Anforderungen: Die Arbeitszeiten sind begrenzt, die geltenden Bestimmungen werden strikt eingehalten und die Drehpläne müssen an die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden.

Mac Granaky-Quaye sagt, Kinder seien unbefangener als Erwachsene und gäben unmittelbares, direktes Feedback. Der hohe Arbeitsdruck sei vergessen gewesen, sobald sie die Bilder auf dem Kontrollmonitor gesehen habe. Die jüngeren Schauspielenden hätten die Arbeit zugleich zu einer besonderen Erfahrung gemacht: „Man wird fast selbst wieder zum Kind, wenn man mit Kindern arbeitet.“

Vor ihrer Arbeit als Regisseurin war Mac Granaky-Quaye in verschiedenen Bereichen von Film und Fernsehen tätig. Sie arbeitete zunächst als Bildmischerin, drehte Kurzfilme, kuratierte Festivals und schrieb Konzepte für „Verstehen Sie Spaß? Kids“. Über die KiKA-Serie „Echt Friends“ kam sie zum Kinderfilm. Für ihre Regieentscheidungen seien vor allem die Bücher ausschlaggebend, erklärt sie.

Claudia Michelsen und Termine in Ludwigshafen

Die Rolle der Museumsdirektorin übernimmt Claudia Michelsen. Sie habe das Drehbuch gut gefunden und eigene Anregungen eingebracht, berichtet die Regisseurin. Auch die Polizisten im Film sind bewusst überzeichnet. Diese Figuren waren laut Mac Granaky-Quaye bereits im Drehbuch als Karikaturen angelegt. Der sogenannte Comic Relief sollte Kindern helfen, mit den ernsten Themen des Films umzugehen. Am Set wurde die Charakterisierung gemeinsam mit Anna Mateur und Julian Janssen, die das Duo spielen, noch verstärkt.

Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ist der Film an vier Terminen zu sehen:

  • Donnerstag, 20. August, um 10 Uhr
  • Samstag, 22. August, um 13 Uhr
  • Dienstag, 1. September, um 10 Uhr
  • Samstag, 5. September, um 11 Uhr

„Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ ist für Kinder ab zehn Jahren empfohlen und dauert 100 Minuten. Gruppen können sich beim Festival unter der Telefonnummer 0621 95304445 oder per E-Mail an [email protected] anmelden.

Die Verleihung des „Goldenen Nils“ ist für Sonntag, 6. September, um 13 Uhr angekündigt. Im Anschluss wird „Checker Tobi – Die heimliche Herrscherin der Erde“ gezeigt.