Für die Eulen Ludwigshafen steht am Sonntag ein besonderer Handballabend an: Um 17 Uhr empfängt der Zweitligist in der Friedrich-Ebert-Halle den Bundesligisten HSG Wetzlar zum DHB-Pokalduell. Die Vorfreude auf den sportlichen Vergleich wird jedoch von erheblichen Personalsorgen und wirtschaftlichen Herausforderungen überschattet.

Trainer Michael Haaß muss insbesondere am Kreis improvisieren. Sebastian Bösing, der erst am 1. August für zwei Monate als Nothelfer verpflichtet worden war, zog sich am Dienstag im Training einen Bruch der linken Mittelhand zu. Der 31-Jährige hatte seine Karriere eigentlich bereits beendet und war nach den Verletzungen von Bruno Eickhoff und Lars Röller kurzfristig eingesprungen.

„Das ist bitter. Ich bin gerade wieder richtig gut reingekommen“, sagte Bösing laut dem Bericht. Eickhoff, der von MT Melsungen nach Ludwigshafen gewechselt war, fällt nach einem Mittelfußbruch weiterhin länger aus. Lars Röller arbeitet dagegen an seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining. Aktuell bleibt Haaß damit nur Simon Schwarz als etatmäßiger Kreisläufer. „Wir haben mit Simon Schwarz momentan nur einen Kreisläufer“, erklärte der Trainer.

Haaß setzt auf die Unterstützung der Halle

Trotz der angespannten Lage gibt sich der Eulen-Coach kämpferisch: „Wir schaffen das.“ Gegen den favorisierten Bundesligisten sieht Haaß eine Möglichkeit für eine Pokalüberraschung. An einem guten Tag könne seiner Einschätzung nach ein Coup gelingen. Dafür setzt er auch auf die Zuschauer und hofft auf eine volle Friedrich-Ebert-Halle sowie den berühmten „achten Mann“, der die Mannschaft gegen Wetzlar antreibt.

Ob Kapitän Marc-Robin Eisel am Sonntag auflaufen kann, war bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz noch fraglich. Eisel beschreibt seine Rolle als Antreiber, Ansprechpartner des Trainers und Botschafter des Vereins. Unterstützt wird er von Co-Kapitän Vincent Bülow. Der 31-Jährige ist nach einer auskurierten Schultereckgelenksverletzung wieder fit und blickt zuversichtlich auf die Partie: „Ich habe mich nach einer Vorbereitung selten so gut gefühlt wie jetzt“, sagte Bülow. Das Pokalspiel sei eine Gelegenheit, ein Ausrufezeichen zu setzen.

Eulen werben um neue Partner

Geschäftsführer Andreas Olbert sprach bei der Pressekonferenz auch über die finanzielle Situation der Handball GmbH. Die vergangenen Monate seien wirtschaftlich herausfordernd gewesen. Die Aufarbeitung von drei Konfliktzonen habe viel Geld gekostet: den Vergleich mit der ehemaligen Geschäftsführerin Lisa Heßler, die Vertragsauflösung mit Vorgänger Domenico Marinese und den beendeten Gesellschafterstreit.

Besonders die Liquidität im zweiten Halbjahr beschäftigt die Verantwortlichen. Die Eulen wollen deshalb die Akquise neuer Partner intensivieren. Zugleich sollen bestehende Sponsoren für ein größeres Engagement gewonnen werden. Olbert berichtet zwar von positiven Signalen, macht aber deutlich, dass es ohne zusätzliche Einnahmen finanziell eng werden könnte.

Die Partie wird von Marcus Hurst aus Berlin und Mirko Krag aus Frankfurt geleitet. Das Gespann kommt zusammen auf die Erfahrung aus 370 Einsätzen in der Handball-Bundesliga. Als prominenter Gast wird Alexander Schweitzer, SPD-Landesvorsitzender, erwartet, der die Eulen gemeinsam mit seiner Frau Barbara von der Tribüne aus unterstützen soll.

Eine weitere Tradition wird ebenfalls fortgesetzt: Gemeinsam mit Lotto Rheinland-Pfalz begrüßen die Eulen bei jedem Heimspiel 15 Gäste aus karitativen oder sozial engagierten Einrichtungen. Zum Pokalspiel sind Gäste des Caritas-Förderzentrums St. Johannes & St. Michael aus Ludwigshafen eingeladen.