Vor der Schiller-Grundschule in Ludwigshafen-Oggersheim wird der Schulschluss regelmäßig zum Risiko: Autos stehen halb auf dem Gehweg und halb auf der Straße, Eltern halten mitten auf der Fahrbahn, Kinder laufen zwischen Fahrzeugen hindurch. Eine von der Stadt eingerichtete Elternhaltestelle soll die Situation entschärfen, wird aber selbst immer wieder zugeparkt.

Besonders voll ist es laut dem Bericht am Freitagmittag, wenn die Schule endet. Auf dem Gehweg sammeln sich Kinder und Eltern, während zahlreiche Autos zum Abholen vorfahren. Eine Mutter sagt dem SWR, die Eltern könnten „zwei Straßen entfernt parken und dann zwei oder drei Minuten zu Fuß laufen“. Stattdessen wollten viele möglichst direkt vor der Schule halten, das Kind aussteigen lassen und sofort weiterfahren.

Schule wirbt seit Jahren für den Fußweg

Die Schillerschule weist nach Angaben ihrer Leiterin Silvia Laubenstein und ihrer Stellvertreterin Katharina Fath seit Jahren darauf hin, dass der Schulweg zu Fuß die Selbstständigkeit der Kinder fördern soll. Grundschulen müssen innerhalb des Stadtgebiets so verteilt sein, dass Kinder sie zu Fuß erreichen können.

Das Verkehrschaos birgt nach Einschätzung des Elternbeiratsvorsitzenden Daniel Schwender eine erhebliche Unfallgefahr. Er berichtet, zwei Kinder gerade noch zurückgezogen zu haben, bevor sie von einem Elterntaxi erfasst werden konnten. Der betreffende Fahrer habe verbotenerweise auf dem Gehweg geparkt. Als Schwender Beweisfotos machen wollte, sei er von dem Mann bedroht worden.

Auch Liane Mack vom Schulelternbeirat schildert wiederholte Konflikte. Eltern, die von ihr oder Mitgliedern der Schulleitung auf ihr Verhalten angesprochen würden, beschimpften diese wüst. Nach Angaben der Schule seien auch Mitarbeitende des Ordnungsamts bedroht worden. Rektorin Laubenstein berichtet zudem von einem Vater, der einen Spaten aus dem Kofferraum geholt und sich drohend vor einem Ordnungshüter aufgebaut habe.

Elternhaltestelle wird selbst blockiert

Der Schulelternbeirat setzte sich bei der Stadt für eine Elternhaltestelle ein. Die Schule hätte sich allerdings eine Kiss-and-Ride-Zone gewünscht, an der Eltern kurz halten und anschließend weiterfahren können. Die jetzige Lösung ist mit einem markierten Fußweg versehen: Gelbe Fußspuren auf dem Pflaster sollen die Kinder sicher zur Schule führen.

Das Problem: Auch dieser Weg wird laut Schule regelmäßig von Autos versperrt. An Tagen, an denen Mitarbeitende des Ordnungsamts vor Ort patrouillieren, funktioniere es dagegen. Dann blieben die Gehwege frei und die Kinder seien sicher. Katharina Fath sagt: „Eigentlich müsste nur eine Person mit Ordnungsamtsweste oder Polizeiweste dastehen.“

Kontrollen und Poller als nächste Schritte

Die Polizeiwache liegt nach Angaben der Schulleitung in der Nähe. Polizeibeamte hätten angeboten, häufiger vorbeizukommen, benötigten dafür aber einen Auftrag der Stadt. Nach Darstellung Faths lehnt die Stadtverwaltung eine solche Anfrage außerhalb der ersten Tage nach den Schulferien ab.

Auf dem Gehweg gibt es inzwischen gelbe Markierungen. Dort sollen offenbar Poller aufgestellt werden. Diese könnten zumindest verhindern, dass Fahrzeuge weiterhin auf dem Gehweg parken. Ob sie das gesamte Abholchaos lösen, bleibt offen. Für die Schule zeigt der Alltag vor Ort jedoch bereits, dass Kontrollen unmittelbar Wirkung haben.