Nach der Eskalation beim DFB-Pokal-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern ist die Lage im Mannheimer Stadtgebiet nach dem Spiel ruhig geblieben. Für viele Menschen in Ludwigshafen war die Begegnung dennoch spürbar: Rund 2.000 Fans des 1. FC Kaiserslautern zogen vom Bahnhof Ludwigshafen-Mitte zum Hauptbahnhof Mannheim am Lindenhofplatz. Nach Angaben der Polizei verlief dieser Fanmarsch ohne nennenswerte Störungen.

Im Stadion entwickelte sich das Spiel dagegen zur Großlage. Becherwürfe von der Haupttribüne, Raketenschüsse aus dem Gästebereich und ein Platzsturm überschatteten das Derby. Die Polizei leitete inzwischen Ermittlungen wegen Beleidigungen, verschiedener Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und möglicher Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ein.

Platzsturm und Pyrotechnik im Carl-Benz-Stadion

Nach einer Rudelbildung beider Mannschaften kurz nach dem Ende der regulären Spielzeit schwappte die aggressive Stimmung auf die Ränge über. Zuschauer auf der Haupttribüne warfen zahlreiche Becher in Richtung der Spieler und der Bank des 1. FC Kaiserslautern. Daraufhin schossen Gästefans Raketen in Richtung der Haupttribüne.

Anschließend stürmten Anhänger des SV Waldhof den Platz. Ein starkes Polizeiaufgebot drängte die Personen unter Anwendung von Zwang zurück in ihren Block. Während des Einsatzes wurden nach derzeitigem Stand 33 Beamte der Bundespolizei und zwei Beamte aus Baden-Württemberg durch Pyrotechnik leicht verletzt.

Nach der Wiederaufnahme der Partie meldete die Polizei zunächst keine weiteren Zwischenfälle. Nach Spielende musste die Berufsfeuerwehr Mannheim im Bereich der Gästefans Teile einer mutwillig angezündeten Choreografie löschen.

85 Menschen medizinisch betreut

Die vorläufige Einsatzbilanz umfasst außerdem zahlreiche medizinische Behandlungen: Insgesamt wurden 85 Personen medizinisch betreut. Acht von ihnen kamen zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus. Mehrere Fußballfans wurden nach aktuellem Stand vorläufig festgenommen.

Die während des Spiels angefertigten Videoaufnahmen zum Einsatz von Pyrotechnik werden nun ausgewertet. Die Polizei will damit die konkrete Zahl der Straftaten und Ordnungswidrigkeiten ermitteln. Wie viele einzelne Verfahren daraus entstehen, steht damit noch nicht fest.

Fantrennung führte zu Verkehrsbehinderungen

Die Zeit vor dem Anpfiff war laut Polizei abgesehen von einzelnen gegenseitigen verbalen Provokationen und dem Zünden pyrotechnischer Gegenstände weitgehend störungsfrei. Körperliche Auseinandersetzungen konnten demnach durch eine konsequente Trennung der Fanlager verhindert werden.

Diese Maßnahmen hatten jedoch Folgen für den Verkehr zwischen Ludwigshafen und Mannheim. Kurzzeitige Sperrungen führten zu Verkehrsbeeinträchtigungen. Auch der öffentliche Personennahverkehr war vorübergehend beeinträchtigt. Genaue Angaben dazu, wie die Einsatzkräfte die beiden Fanlager insbesondere nach dem Spiel voneinander fernhielten, machte der Polizeisprecher auf Anfrage nicht.

Insgesamt waren rund 1.400 Polizeibeamtinnen und -beamte im Einsatz. Neben Kräften aus Mannheim beteiligten sich Einheiten verschiedener Standorte sowie Polizei aus Rheinland-Pfalz, Bayern und der Bundespolizei.

Polizeidirektor Michael Reichert, Gesamteinsatzleiter des Polizeipräsidiums Mannheim, bewertete die Einsatzplanung dennoch positiv. Die Polizei führt die vorläufige Bilanz auf die intensive Vorbereitung der beteiligten Institutionen und deren enge Zusammenarbeit zurück. Die Auswertung der Aufnahmen und die eingeleiteten Ermittlungen laufen weiter.