Beschimpft, bespuckt, geschlagen und getreten: Mitarbeitende der DB Regio sind in diesem Jahr bundesweit bereits 989-mal angegriffen worden. Besonders häufig betroffen ist nach Angaben der Bahn die Region Rhein-Neckar-Pfalz. Deshalb startet dort nun ein Testlauf mit Bodycams, die neben Bildern auch Gespräche aufzeichnen können.
Für Fahrgäste in Ludwigshafen und der gesamten Rhein-Neckar-Region bedeutet das: Bahnmitarbeitende können in brenzligen Situationen künftig zusätzlich eine Tonaufnahme aktivieren. Nach Angaben der Deutschen Bahn soll die Technik die Beschäftigten bei Kontrollen besser schützen und zugleich die spätere Strafverfolgung unterstützen.
25 Mitarbeitende nehmen am Test teil
Insgesamt sollen 25 Beschäftigte mit einer Bodycam ausgestattet werden, die auch Ton aufnehmen kann. Eingeschaltet werden kann die Kamera laut dem Bericht, wenn eine Situation eskaliert oder Mitarbeitende massiv beleidigt werden. Die Bahn will damit nach eigenen Angaben nicht nur Beweise sichern, sondern auch zur Deeskalation beitragen.
„Wir tun alles, um die Sicherheit unserer Mitarbeitenden bei Kontrollsituationen zu erhöhen, unter anderem versuchen wir mit verstärkter Personalpräsenz brenzlige Situationen besser deeskalieren zu können“, erklärt Bahnsprecher Tim Alexandrin. Die Gesprächsaufzeichnung sei zudem ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit und helfe bei der Verfolgung von Straftaten.
Sicherheitsmaßnahmen nach Tod eines Ludwigshafener Zugbegleiters ausgeweitet
Die Deutsche Bahn hat ihre Schutzmaßnahmen seit dem gewaltsamen Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar aus Ludwigshafen Anfang des Jahres nach eigenen Angaben stetig verschärft. Seit einigen Monaten können Mitarbeitende bereits Bodycams ohne diese zusätzliche Tonfunktion tragen.
Bei riskanten Kontrollen gehen Bahnmitarbeitende schon jetzt zu zweit vor. Außerdem stehen ihnen stichfeste Westen und bei Bedarf Helme zur Verfügung. Die neuen Bodycams mit Gesprächsaufzeichnung sollen nun einen weiteren Schutzbaustein bilden.
Harmen van Zijderveld, Vorstandsvorsitzender der DB Regio AG, verweist auf die Belastung der Beschäftigten: „Die Zahlen belegen, was unsere Mitarbeitenden nahezu täglich erleben: Sie werden beschimpft, bespuckt, geschlagen und getreten. Das ist umso trauriger, wenn man weiß, mit welcher Leidenschaft sie ihren Beruf ausüben und leben“, erklärt er in einer Presseerklärung.
Möglicher bundesweiter Einsatz ab Dezember
Der Test findet zunächst in der Region Rhein-Neckar-Pfalz statt. Wenn er erfolgreich verläuft, könnten Bodycams mit Tonaufnahme nach Angaben eines Bahnsprechers bereits ab Dezember bundesweit eingesetzt werden. Ob und in welchem Umfang die Technik danach in weiteren Regionen verwendet wird, hängt damit vom Ergebnis des laufenden Versuchs ab.