Ein emotionaler Moment beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen: Christian Redl ist mit dem Preis für Schauspielkunst ausgezeichnet worden. Der 78-jährige Charakterdarsteller zeigte sich bei der Ehrung auf der Parkinsel hoch erfreut und überwältigt. Zugleich machte er deutlich, dass der Preis für ihn auch den Charakter eines Abschieds vom Berufsleben hat.

Redl sagte, er wolle nicht mehr drehen. „Genug sei es nun“, heißt es in der Berichterstattung – wobei der Schauspieler offenließ, ob ein besonders spannendes Angebot seine Entscheidung noch verändern könnte. Für Redl war beim Schauspiel stets entscheidend, eine Figur gründlich zu erarbeiten und die Möglichkeiten seines Berufs auszuloten. Er habe nicht einfach nur als bestimmter „Typ“ besetzt werden wollen.

Preisverleihung mit Tränen und Dank

Die Verleihung des Preises für Schauspielkunst verlief sichtbar bewegend. Selbst Festivalchef Michael Kötz hatte den Tränen nahe gestanden. In seiner kurzen Dankrede erinnerte sich Redl an seine Anfänge: Vor genau 60 Jahren, im Alter von 18 Jahren, habe er seinen Eltern mitgeteilt, Schauspieler werden zu wollen. Diese seien zunächst entsetzt gewesen und hätten ihm ein Leben in Elend und Armut vorausgesagt.

Redl bedankte sich besonders beim Leitungsduo Daniela Kötz und Michael Kötz. Sein Dank galt demnach vor allem dem Festival und dessen Leitung. Auch abseits der Bühne nahm sich der Schauspieler Zeit für das Publikum: In Ludwigshafen posierte er geduldig mit Fans am roten Teppich.

Vom Theater bis zum „Spreewaldkrimi“

Festivalleiter Michael Kötz ordnete Redls Laufbahn in seiner Laudatio ein. Dabei reichte der Blick vom Großvater des Schauspielers, einem Seemann, über Redls Theaterarbeit mit Peymann oder Zadek bis zu seiner Rolle als Kommissar Krüger im „Spreewaldkrimi“. Die Reihe umfasst inzwischen 18 Folgen, die innerhalb von 20 Jahren entstanden sind.

„Spreewaldkrimi: Mein ist der Tod“ könnte nun die letzte Folge mit Redl sein. Der Film entstand unter der Regie von Kai Wessel, der beim Festival bereits mit einem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Im anschließenden Bühnengespräch klang Autor und Erfinder Wolfgang Esser allerdings weniger endgültig. In der ungewöhnlichen Krimireihe können sogar Tote ermitteln – ein Motiv, das auch die neue Folge aufgreift.

Der Film erzählt von Menschen im Osten Deutschlands, die sich abgehängt fühlen und sich in einen diffusen Hass hineinsteigern. Dessen Ursprung und Ziel können sie selbst nicht genauer benennen; deshalb bleiben sie auch für verständnisvolle Worte schwer erreichbar. Gleichzeitig schildert der Krimi eine stimmungsvolle und stellenweise hoffnungsvolle Geschichte über den Tod. Eine Hoffnungsperspektive fehle allerdings bei diesem Handlungsstrang.

Vorführung auf der Parkinsel

Wer Redls möglicherweise letzten Auftritt als Kommissar Krüger sehen möchte, hat laut Festivalhinweis noch Gelegenheit dazu: „Spreewaldkrimi: Mein ist der Tod“ läuft am 2. September auf der Parkinsel. Weitere Informationen nennt das Festival unter www.fflu.de.