Ein ungewöhnliches Konzert hat das Jubiläum „70 Jahre Hallenbad-Nord Ludwigshafen“ geprägt: Im heutigen Freischwimmer trat das Bossarenova-Trio mit der brasilianischen Sängerin Paula Morelenbaum, dem Trompeter Joo Kraus und dem Keyboarder Ralf Schmid auf. Eingeladen hatte der Verein „Kultur im Freischwimmer“; Kurator Olaf Schönborn hatte die drei Musiker für den Abend gewonnen.
Das Trio verband brasilianischen Bossa Nova mit modernem Jazz, urbanen Grooves und elektronischen Klängen. Zu hören waren unter anderem ein analoges E-Piano, elektronisch verfremdete Trompetenklänge, programmierte Latin-Rhythmen und eine sanfte, melodische Stimme. So entstand eine moderne und ungewöhnliche Neuinterpretation des Bossa Nova.
Drei Musiker, drei musikalische Perspektiven
Paula Morelenbaum bringt eine besondere Verbindung zur Geschichte des Genres mit. Die brasilianische Sängerin arbeitete zehn Jahre mit Antonio Carlos Jobim zusammen, der als Erfinder des Bossa Nova gilt. Ihre Erfahrung mit dem klassischen Stil prägte den Abend, ohne dass sie sich auf traditionelle Interpretationen beschränkte. „Wenn jemand weiß, wie Bossa Nova geht, dann sie“, sagte Olaf Schönborn dem Publikum.
Joo Kraus erweiterte seine Jazztrompete mit Hall, Echo und Synthesizer-Klängen. Der Trompeter und Multiinstrumentalist ist außerdem für Samples, programmierte Beats und Rap bekannt. Diese Einflüsse brachte er auch in das Konzert im Freischwimmer ein.
Ralf Schmid spielte vor allem ein Fender Rhodes, ein altes elektrisches Piano. Das Instrument erzeugt seinen weichen, glockigen Klang durch Metallzungen und ist seit den 1970er-Jahren besonders im Fusion-Jazz verbreitet. Schmid ist Professor für Jazz-Klavier an der Musikhochschule Freiburg und arbeitet als Arrangeur für renommierte Big Bands.
Jobim-Klassiker in überraschenden Arrangements
Das Bossarenova-Trio entstand 2009 für ein Projekt mit der SWR Big Band. Die musikalische Zusammenarbeit setzte sich danach fort. Im Freischwimmer spielte die Formation eigene Stücke sowie mehrere Klassiker Jobims – darunter „So Nice (Summer Samba)“, „Waters of March“, „A Felicidade“ und „One Note Samba“.
„So Nice (Summer Samba)“ erhielt durch den gemeinsamen Gesang und das Pfeifen von Morelenbaum und Kraus eine leicht skurrile Note. „Waters of March“ entwickelte sich mit Hall, Echo und Synthesizer-Sounds auf der Trompete zu einer psychedelisch wirkenden Nummer, die erst spät ihren Groove entfaltete.
Bei „A Felicidade“ stieg Olaf Schönborn mit seinem Altsaxofon ein. Gemeinsam mit Kraus’ elektronisch harmonisierter Trompete entstand eine zusätzliche Horn-Section. „One Note Samba“ wurde als Hip-Hop-Bossa mit einem virtuosen, von Gesang und Trompete unisono eröffneten Solo interpretiert.
Ein sichtbares Schlagzeug gab es nicht. Die rhythmische Grundlage kam aus programmierten Backing-Tracks, Mouth-Percussion von Joo Kraus sowie aus Woodblock und Tamborim, einer kleinen brasilianischen Handtrommel, die Morelenbaum spielte. Die typischen Offbeat-Clave-Figuren sorgten dabei für Spannung und Flow.
Tour durch Europa
Die eigenen Kompositionen des Trios stammen vom kürzlich erschienenen Album „Levitar“. Die aktuelle Club-Tour führt die Formation durch ganz Europa. Das Konzert im Freischwimmer zeigte damit nicht nur die Geschichte des Bossa Nova, sondern auch, wie sich seine musikalischen Formen mit Jazz, Hip-Hop und elektronischer Produktion weiterentwickeln lassen.