Die BASF SE aus Ludwigshafen prüft offenbar eine Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik Industries AG. Evonik bestätigte am Freitag, 25. September 2026, eine unverbindliche Ansprache durch BASF. Diese bezieht sich auf ein mögliches freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Evonik-Aktien. Ein konkretes Angebot liegt nach den bisher veröffentlichten Informationen jedoch noch nicht vor.
Für Ludwigshafen wäre ein solcher Zusammenschluss von besonderer Bedeutung: BASF hat seinen Stammsitz in der Stadt und zählt zu den größten Chemiekonzernen Deutschlands. Ob aus dem ersten Kontakt tatsächlich eine Übernahme wird, ist derzeit allerdings offen.
Noch kein Kaufpreis und keine Gespräche
Evonik reagierte mit einer Ad-hoc-Mitteilung auf die aktuellen Medienberichte. Dem Vorstand sei eine unverbindliche Ansprache zugegangen, teilte das Unternehmen mit. Angaben zu einem möglichen Kaufpreis oder zu weiteren Bedingungen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Nach der Mitteilung finden derzeit keine Gespräche zwischen BASF und Evonik statt. Die mögliche Transaktion befindet sich damit noch in einem sehr frühen Stadium. BASF müsste zunächst entscheiden, ob aus der Kontaktaufnahme ein verbindliches öffentliches Angebot entsteht. Auch die Haltung von Evonik zu einem solchen Angebot ist bislang nicht bekannt.
Evonik erklärte zudem, den Vorgang zunächst nicht über die rechtlichen Veröffentlichungspflichten hinaus kommentieren zu wollen. Damit bleiben zentrale Fragen offen: ob BASF ein Angebot vorlegt, zu welchem Preis dies geschehen könnte und wie die Aktionäre sowie das Management von Evonik darauf reagieren würden.
Zwei große Chemiekonzerne im Blickpunkt
Eine mögliche Übernahme würde zwei bekannte deutsche Chemieunternehmen zusammenführen. BASF erzielte 2025 nach den vorliegenden Unternehmensangaben rund 60 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigte weltweit etwa 95.000 Menschen. Anfang September eröffnete der Konzern am Verbundstandort Ludwigshafen eine umfassend modernisierte Produktionsanlage. Dafür investierte BASF einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.
Evonik hat seinen Hauptsitz in Essen und betreibt zahlreiche Produktionsstandorte in Deutschland. Nach Unternehmensangaben arbeitet mehr als die Hälfte der Beschäftigten des Konzerns hierzulande. Die weitere Entwicklung dürfte deshalb nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für Beschäftigte und Standorte in Deutschland relevant sein.
Evonik steckt mitten im Konzernumbau
Die BASF-Ansprache fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen bei Evonik. Das Unternehmen konkretisierte am 22. September seine Wachstumsstrategie bis 2030. Im Rahmen des Restrukturierungsprogramms Evonik Tailor Made sollen weltweit 3.200 Stellen wegfallen, darunter rund 2.150 in Deutschland.
Evonik begründete den Stellenabbau unter anderem mit der strukturellen und wirtschaftlichen Krise der Chemieindustrie. Zudem hatte der Konzern angekündigt, kleinere Standorte in Hamburg und Bitterfeld zu schließen und Aktivitäten an größeren deutschen Standorten zu bündeln.
Für Ludwigshafen ist zunächst nur die unverbindliche Ansprache bestätigt. Ein formelles Übernahmeangebot, ein Preis und konkrete Vereinbarungen liegen nicht vor. Die weitere Entwicklung soll nach den bisher veröffentlichten Angaben beobachtet und bei neuen gesicherten Informationen aktualisiert werden.