BASF und die chinesische Highsun Holding Group (HSCC) prüfen ein gemeinsames Unternehmen für Polyamid 6. Eine unverbindliche Absichtserklärung sieht vor, die jeweiligen europäischen Aktivitäten entlang der PA6-Wertschöpfungskette in einem 50:50-Joint-Venture zusammenzuführen. Für Ludwigshafen ist die Ankündigung relevant, weil BASF dort eine Produktionsanlage für Polyamide betreibt.

Die Gespräche stehen noch am Anfang: Eine unverbindliche Absichtserklärung ist keine endgültige Vereinbarung. Projektteams beider Unternehmen wurden eingerichtet und sollen nun die mögliche Zusammenarbeit bewerten. BASF und HSCC prüfen außerdem, ob weltweite Aktivitäten im Bereich Extrusion außerhalb Nordamerikas in das geplante Gemeinschaftsunternehmen einbezogen werden könnten.

Welche BASF-Aktivitäten betroffen sein könnten

Nach Angaben von BASF geht es um ausgewählte Aktivitäten entlang der Polyamid-6-Kette und um Vorprodukte. Die nachgelagerten Geschäftsbereiche von BASF und HSCC für technische Kunststoffe gehören ausdrücklich nicht zur aktuellen Evaluierung. Polyamid 6 wird unter anderem für Produkte und Anwendungen in der Verpackungs- und Textilindustrie eingesetzt.

BASF begründet die Prüfung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit des Geschäfts zu stärken. Vorstandsvorsitzender Dr. Markus Kamieth erklärte: „Gemeinsam mit HSCC prüfen wir Möglichkeiten, unsere Polyamid-6-Geschäfte zu stärken, indem wir die wettbewerbsfähigsten Anlagen, die besten Technologien und die beste kommerzielle Expertise beider Unternehmen bündeln.“

Als mögliche Vorteile nennt BASF eine bessere Auslastung der Anlagen und niedrigere Kosten. Dadurch könnten langfristig wettbewerbsfähigere Angebote für Kunden entstehen. Ob und in welcher Form diese Ziele erreicht werden, ist derzeit offen.

Ludwigshafen als Teil eines weltweiten Produktionsnetzwerks

BASF bezeichnet sich als führenden Hersteller von PA6 und Vorprodukten. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben Produktionsanlagen in Ludwigshafen, Antwerpen, Caojing und Freeport und verfügt damit über eines der weltweit größten Produktionsnetzwerke für Polyamide. Welche konkreten Folgen die Prüfung für die Anlage in Ludwigshafen, Beschäftigte oder Produktionsmengen haben könnte, teilte BASF in der Mitteilung nicht mit.

Auch HSCC bringt ein internationales Geschäft ein. Der Konzern hat seinen Hauptsitz in Fuzhou in der chinesischen Provinz Fujian, ist in den Bereichen Chemie, Chemiefasern und neue Materialien tätig und betreibt 31 Produktionsstandorte in China und Europa. HSCC gehört nach eigenen Angaben zu den führenden Herstellern von Caprolactam, einem wichtigen Vorprodukt für Polyamid.

HSCC-Chef Chen Zhong sagte: „Wir sind überzeugt, dass diese Zusammenarbeit starke Synergien zwischen beiden Partnern erschließen und den Kunden wettbewerbsfähigere Produkte und Lösungen bieten könnte.“ Die Formulierung macht zugleich deutlich, dass es sich bislang um eine Prüfung möglicher Kooperationsmodelle handelt.

BASF beschäftigt in der gesamten Gruppe rund 95.000 Menschen und erzielte 2025 weltweit einen Umsatz von rund 60 Milliarden Euro. Für Ludwigshafen gibt die aktuelle Mitteilung weder einen Zeitplan für eine Entscheidung noch konkrete Angaben zu möglichen Investitionen oder Veränderungen am Standort bekannt.