Der Chemiekonzern BASF aus Ludwigshafen prüft offenbar eine mögliche Übernahme des Spezialchemieanbieters Evonik. Evonik bestätigte, dass der größere Wettbewerber unverbindlich Kontakt aufgenommen habe. Nach Angaben von Ludwigshafen24 geht es um ein mögliches freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle Evonik-Aktien. Eine Entscheidung oder ein konkretes Angebot gibt es bislang nicht.
Die Nachricht kommt in einer schwierigen Phase für die Chemiebranche. Gleichzeitig sind wichtige Details des möglichen Geschäfts offen: Derzeit finden laut dem Bericht keine Gespräche zwischen BASF und Evonik statt. BASF selbst äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten. Damit ist unklar, ob aus der ersten Kontaktaufnahme tatsächlich ein Übernahmeversuch wird.
Kontakt auch zur größten Evonik-Aktionärin
Nach Recherchen, auf die sich der Bericht beruft, soll BASF seit mehreren Monaten mit Beratern einen möglichen Deal ausloten. Dabei soll es nicht nur Gespräche über Evonik gegeben haben. Auch die RAG-Stiftung sei angesprochen worden. Sie ist eine Großaktionärin des Essener Spezialchemiekonzerns.
Die Stiftung bestätigte, von BASF wegen eines möglichen freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots kontaktiert worden zu sein. Weitere Kommentare wollte sie demnach nicht abgeben. Zugleich verwies sie darauf, dass derzeit drei Schuldverschreibungen mit Umtauschrecht in Evonik-Aktien ausstehen.
Die RAG-Stiftung hält nach eigenen Angaben rund 43,8 Prozent an Evonik. Ihre Zustimmung könnte deshalb für einen möglichen Zusammenschluss entscheidend sein. Der Börsenwert von Evonik liegt laut dem Bericht bei mehr als acht Milliarden Euro. Ein Kauf wäre damit für BASF von erheblicher Bedeutung.
Mehr Produkte und stärkerer Wettbewerb mit China als mögliche Ziele
Als mögliche Gründe für das Interesse werden eine größere regionale Präsenz und eine breitere Produktpalette genannt. BASF könnte sich damit im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern besser aufstellen. Diese strategische Einordnung stammt aus den Berichten der Financial Times und der Nachrichtenagentur Bloomberg, auf die sich Ludwigshafen24 bezieht.
Für den Standort Ludwigshafen fällt die Nachricht in eine Zeit, in der BASF bereits Personal abbaut und seine Geschäftsfelder neu ordnet. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 verringerte der Konzern seine weltweite Belegschaft nach eigenen Angaben um rund 7.000 Stellen. Der Stellenabbau betrifft dem Bericht zufolge besonders das Stammwerk Ludwigshafen.
Trotz der Einschnitte erhöhte BASF-Chef Markus Kamieth die Gewinnprognose für das laufende Jahr. Als Hintergrund nennt der Bericht unter anderem steigende Verkaufspreise infolge von Produktknappheiten. Zugleich belasten stark gestiegene Energiekosten die Chemiekonzerne, unter anderem infolge des Nahostkonflikts.
Weitere Veränderungen bei BASF
BASF hat zuletzt bereits mehrere strukturelle Veränderungen eingeleitet. Ende Juni schloss der Konzern den Verkauf von 60 Prozent seines Fahrzeugserien- und Autoreparaturlack-Geschäfts an den US-Finanzinvestor Carlyle ab. Die übrigen 40 Prozent verbleiben zunächst bei BASF im Joint Venture Surventis. Ein vollständiger Ausstieg aus diesem Geschäft wird jedoch angestrebt.
Außerdem soll das Agrargeschäft von BASF an die Börse gebracht werden. Ob daneben eine Übernahme von Evonik weiterverfolgt wird, ist derzeit offen. Fest steht bislang nur die unverbindliche Kontaktaufnahme.