Amtsgericht Kandel: Ein tödlicher Unfall auf der A65 beschäftigt seit Dienstag die Justiz. Angeklagt ist ein Mann aus Bayern, der als ausgebildeter Polizist auf der Autobahn mit rund 120 Kilometern pro Stunde in ein Stauende gefahren sein soll. Zwei Männer starben, eine Frau wurde leicht verletzt. Das Verfahren ist auch für Pendler aus Ludwigshafen und der Vorderpfalz relevant, weil es um einen schweren Unfall auf einer wichtigen Verkehrsachse der Region geht.
Der Unfall ereignete sich am 7. August 2025. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft fuhr der Angeklagte mit seinem Auto ungebremst auf die wartenden Fahrzeuge auf. Zusätzlich wirft ihm die Anklage vor, während der Fahrt wegen eines Telefonats mit seiner Mutter abgelenkt gewesen zu sein. Ob es tatsächlich so war und wer rechtlich für den Unfall verantwortlich ist, soll der Prozess klären.
Zwei Tote und eine leicht verletzte Frau
Im Wagen vor dem Angeklagten saßen ein 37-jähriger Mann und dessen Vater. Der 37-Jährige starb laut Bericht kurz nach dem Zusammenstoß in einem Krankenhaus. Sein Vater erlag wenige Tage später seinen Verletzungen.
In einem weiteren Fahrzeug wurde eine Frau leicht verletzt. Ihr Auto war bei dem Unfall unter einen Lastwagen geschoben worden. Damit steht neben der mutmaßlichen Ablenkung und der Geschwindigkeit auch die genaue Abfolge der Kollisionen im Mittelpunkt der Verhandlung.
Zeugenaussagen widersprechen sich
Vor dem Amtsgericht Kandel berichteten mehrere Zeugen über den Unfall. Einige Aussagen belasteten den Angeklagten. Ein Paar aus den Niederlanden schilderte das Geschehen jedoch anders: Die beiden waren nach eigenen Angaben auf der linken Spur unterwegs, während sich der Unfall auf der rechten Spur ereignete.
Entscheidend für das Urteil dürfte deshalb das Gutachten eines Kfz-Sachverständigen werden. Der Experte hatte am Unfallort Spuren gesichert und später die zerstörten Fahrzeuge untersucht. Nach seiner Einschätzung prallte der Angeklagte massiv auf das Stauende. Außerdem hätte er den Stau aus mindestens 170 Metern Entfernung erkennen können.
Der Angeklagte selbst sagte vor Gericht: „Als Polizist wollte ich Menschen schützen, jetzt bin ich selbst zur Gefahr für andere geworden.“ Er erklärte, er verstehe nicht, wie es zu dem Unfall kommen konnte.
Zum Stand vom 5. August 2026 ist noch kein Urteil genannt. Im Prozess muss das Gericht die unterschiedlichen Zeugenaussagen, die technischen Erkenntnisse und den Vorwurf des Telefonierens während der Fahrt zusammen bewerten.